Bestandsaufnahme Gurlitt, Utagawa Toyohiro, Frauen imitieren eine Damiyo Prozession, Art On Screen - News - [AOS] Magazine

Bestandsaufnahme Gurlitt – Ausstellung in Bern & Bonn

Unter dem Titel – Bestandsaufnahme Gurlitt – zeigen die Bundeskunsthalle in Bonn und das Kunstmuseum Bern zeitgleich in zwei Ausstellungen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten Kunstwerke aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt, dem Sohn des während der NS-Zeit tätigen Kunsthändlers
Hildebrand Gurlitt.

Bestandsaufnahme Gurlitt, Shungyosai Ryukoku, Hyakunin Isshu, Bijinga, Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Shungyosai Ryukoku, Hyakunin Isshu, Bijinga (Junge Frau an einem Tisch sitzend, hinter ihr eine Frau mit einem Buch in den Händen), Frühes 19. Jhd. Farbholzschnitt auf Japanpapier, 38,2 × 25,4 cm, Legat Cornelius Gurlitt 2014, Provenienz in Abklärung, © Bundeskunsthalle Bonn
Die in einen historischen Gesamtkontext eingebetteten Präsentationen basieren auf dem aktuellen Forschungsstand zum „Kunstfund Gurlitt“ und sind inhaltlich eng aufeinander abgestimmt. Während die Berner Schau sich mit rund 200 Exponaten auf die Aktion „Entartete Kunst“ konzentriert, widmet sich die Ausstellung in Bonn vor allem jenen Werken, die in enger Verbindung mit dem NS-Kunstraub stehen, sowie den Schicksalen der verfolgten, meist jüdischen Künstler, Sammler und Kunsthändler. Die Bundeskunsthalle präsentiert rund 250 Werke, deren Herkunft noch nicht geklärt werden konnte. Die einzelnen Kapitel werden durch eine durchlaufende Zeitleiste mit relevanten historischen Ereignissen zu einem großen Orientierungsrahmen und Hintergrund des Geschehens verbunden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der wachsenden Entrechtung und Diskriminierung insbesondere der jüdischen Künstler, Sammler und Kunsthändler. Ihre Schicksale werden in einer Reihe von biografisch angelegten Fallbeispielen visualisiert.

Bestandsaufnahme Gurlitt – „Entartete Kunst“

Bestandsaufnahme Gurlitt, Otto Dix, Dame in der Loge, Aquarell und Tusche auf Velinpapier, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Otto Dix (1891–1969), Dame in der Loge 1922, Aquarell und Tusche auf Velinpapier, 49,3 x 39,9 cm, Legat Cornelius Gurlitt 2014, Provenienz in Abklärung © Bundeskunsthalle Bonn
Die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn ist in fünf übergreifende Kapitel gegliedert. Im Verlauf des Ausstellungsrundgangs werden die komplexen Mechanismen der NS-Kulturpolitik sowie des strategisch organisierten NS-Kunstraubs offengelegt. Gleichzeitig wird der ambivalente Werdegang Hildebrand Gurlitts thematisiert und den Biografien Betroffener gegenübergestellt. Die Fallbeispiele wichtiger Protagonisten werden als deutlich gestaltete Ausstellungseinheiten mit Kunstwerken, Texten, Fotos und
Archivalien inszeniert und finden sich im gesamten Ausstellungsrundgang wieder.

Bestandsaufnahme Gurlitt, Otto Griebel, Die Verschleierte, Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Otto Griebel (1895–1972), Die Verschleierte 1926, Gouache auf Velinpapier 41,6 × 34,3 cm, Legat Cornelius Gurlitt 2014 / Provenienz in Abklärung © Bundeskunsthalle Bonn
Die Themenschwerpunkte der fünf Kapitel beziehen sich auf unterschiedliche historische Zeiträume: Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und die Weimarer Republik, Deutschland nach der Machtergreifung 1933, insbesondere aber die Situation ab 1938, als durch den „Führervorbehalt“ die Grundlage für den beispiellosen und systematisch organisierten Kunstraub geschaffen wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs 1939–1945 rücken vor allem die Aktivitäten in den von Deutschland besetzten Gebieten (vornehmlich Frankreich) in den Fokus, auf die der Führervorbehalt 1940 erweitert wurde.

Gurlitt Ausstellung – Frédéric Chopin: Waltz In A Minor

Am Schluss der Ausstellung richtet sich der Blick zudem auf die unmittelbare Nachkriegszeit und den heutigen Umgang mit teils noch immer ungeklärten Fragen, die sich auf Restitution und Verantwortung beziehen, auf den Stellenwert von institutionalisierter Provenienzforschung und auf ein generelles Bewusstsein für die komplexen Zusammenhänge und Widersprüche auf diesem Gebiet. 

BESTANDSAUFNAHME GURLITT. Der NS-Kunstraub und die Folgen. Bis 11. März 2018. Bundeskunsthalle in Bonn. Kunstmuseum in Bern.

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