Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung

Bank Austria Kunstforum Wien

Pierre Bonnard, Das Frühstück, Heizkörper, Die Farbe der Erinnerung, Ausstellung im Kunstforum Wien,
Pierre Bonnard, Das Frühstück, Heizkörper, um 1930, Le petit dejeuner au radiateur, Öl auf Leinwand, 64,1 × 73,8 cm, Privatbesitz

Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung. Mit dieser Ausstellung präsentiert das Bank Austria Kunstforum Wien erstmals in Österreich den rätselhaft-aufregenden Meister des Postimpressionismus Pierre Bonnard. 

Pierre Eugène Frédéric Bonnard, 1867-1947

Pierre Bonnard, Sonnenuntergang, Die Farbe der Erinnerung, Ausstellung im Kunstforum Wien,
Pierre Bonnard, Sonnenuntergang, 1912, Le Soleil couchant, Öl auf Leinwand, 63 × 53 cm, Kunsthaus, Zürich

Aufgewachsen im bürgerlichen Ambiente eines Vororts von Paris, hat Pierre Bonnard erste künstlerische Erfolge im Kreis der Nabis. Hier erwacht auch sein Interesse an der die Konventionen des westlichen Sehens in Frage stellenden Ästhetik der japanischen Farbholzschnitte. Sie wird ihn sein gesamtes Werk begleiten – und ihm den Beinamen „Le Nabis très Japonard“ einbringen. Seine eigentliche Bildsprache entwickelt Pierre Bonnard jedoch erst nach der überwältigenden Erfahrung des Lichts des Südens: 1909 bei einem längeren Aufenthalt in St. Tropez. Die lichtdurchtränkten, leuchtendchangierenden Farben des Mittelmeers – wo er sich auch in den 1920er-Jahren niederlassen wird – bestimmen von nun an seine Malerei. 

Die Farbe der Erinnerung

Pierre Bonnard, Akt mit Badezuber, Die Farbe der Erinnerung, Ausstellung im Kunstforum Wien,
Pierre Bonnard, Akt mit Badezuber, 1918, Nu accroupi au tub, Öl auf Leinwand, 85 × 74 cm, Musée d’Orsay, Paris. Donation Zeïneb et Jean-Pierre Marcie-Rivière, 2010 © Musée d’Orsay/RMN

Im Zentrum von „Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung“ steht so die Farbe als zentrales Ausdrucks- und Gestaltungsmittel des Künstlers. Nicht nur Stimmungen, sondern ganze Kompositionen entwickelt und modelliert Pierre Bonnard über Farbakkorde und -dissonanzen, über die Gegensätze und das Zusammenspiel warmer und kühler Töne. Bonnard malt langsam – nicht vor dem Motiv, sondern aus der Erinnerung. Er skizziert, ordnet, sondiert und schafft dann eine neue malerische Realität auf der Leinwand. Dabei konzentriert er sich auf wenige, ihm vertraute und immer wiederkehrende Motive: Der weibliche Akt – vorzüglich seine Frau Marthe de Méligny, das Stillleben, das Haus und die Landschaft seiner nächsten Umgebung. Um sie und mit ihnen baut er eine „Poesie des Alltäglichen“, durchdacht komponiert, austariert und überlegt. Die auf den ersten Blick beiläufige Harmonie stellt er jedoch wieder und wieder in Frage: mittels räumlicher Verunklärungen, gekappter Figuren, „verwischter“ Personenführung. Erst nach eingehender Betrachtung, nach längerer Sicht auf das Bild lösen sich diese „Fehler“ langsam aus dem raffinierten Spiel der gegen- und miteinander gesetzten Farbwerte. In den rätselhaften Visualisierungen erinnerter Wahrnehmung lässt Bonnard sich auf Grenzgänge zwischen Fläche und Raum, Farbe und Dinglichkeit ein. Bonnard Biografie – Bilder und Zitate → …

Bonnard & Henri Matisse

Pierre Bonnard, Akt mit Spiegel, Die Farbe der Erinnerung, Ausstellung im Kunstforum Wien,
Pierre Bonnard, Akt mit Spiegel, 1931, Nu au miroir, Öl auf Leinwand, 153,5 × 104,3 cm, Fondazione Musei Civici di Venezia, Galleria Internazionale d’Arte Moderna di Ca’ Pesaro © Photo Archive – Fondazione Musei Civici di Venezia

Wenn auch Bonnards Farbmalerei in den späten Bildern bis an die Grenzen der Abstraktion geht, stellt er die Gegenständlichkeit in seiner Malerei nie in Frage. Er pflegt seinen eigenen, letztlich der französischen Klassik verbundenen Stil einer „anderen Moderne“. Nicht nur darin inszeniert er sich selbst immer wieder als Außenseiter, fern aller Künstlergruppen. Gleichzeitig belegen seine rege Ausstellungstätigkeit sowie die Freundschaften zu Édouard Vuillard und Henri Matisse die Verbundenheit mit der Kunstszene seiner Zeit. Immer wieder wurde Bonnard als Vertreter einer oberflächlichen Harmonie und als vermeintlich harmloser Chronist eines großbürgerlichen Alltags klassifiziert oder als Maler des Glücks bezeichnet – das in seinen Bildern auch zu finden ist. Doch – diesem Glück liegt etwas viel Differenzierteres zu Grunde. Wie er selbst sagt: „Wer singt, ist nicht immer glücklich.“ Matisse – Bonnard. Es lebe die Malerei →

Bildgalerie zur Ausstellung um Kunstforum Wien

Die Ausstellung „Pierre Bonnard. Die Farbe der Erinnerung“ ist eine Kooperation des Bank Austria Kunstforum Wien mit Tate, London, und der Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen. Zu sehen von 10. Oktober 2019 bis 12. Jänner 2020 im Ausstellungshaus auf der Wiener Freyung. Art On Screen – Ticket Service. Tickets einfach und bequem online bestellen. Hier geht es zum Ticket Service →  …

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