Gustav Klimt und die Antike – Erotische Begegnungen

Die Ausstellung „Klimt und die Antike. Erotische Begegnungen” widmet sich dem faszinierenden Dialog zwischen Gustav Klimts Werk und der antiken Kunst.

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Gustav Klimt, Freundinnen (Wasserschlangen I), 1905/06, mit letzten Überarbeitungen 1907 Belvedere, Wien, © Belvedere, Wien
Die Antike bildete für Gustav Klimt während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn eine wichtige Inspirationsquelle. Die ersten Einflüsse auf sein Schaffen sind in den Dekorationen im Wiener Burgtheater oder im Kunsthistorischen Museum zu erkennen, die reich an klassischen allegorischen Darstellungen sind. In seinem vom Historismus geprägten Frühwerk waren es motivische Details, die den Künstler interessierten. Nach 1900 ist es dann vor allem der „Geist der Antike“, den er in seine eigene Formensprache überträgt. Die Ausstellung veranschaulicht Klimts Entwicklung zu einem freieren Umgang mit der Antike durch die Gegenüberstellung mit antiken Vorbildern, die der Künstler aus der Vasenmalerei oder den Abgüssen nach antiken Skulpturen bezog. Ein prominentes Beispiel für die freiere Auslegung der Antike in Klimts Werk stellt auch das Beethovenfries (1902) dar, dessen Replika als Referenz in der Ausstellung gezeigt wird. Zu sehen in der Orangerie im Unteren Belvedere in Wien bis 8. Oktober 2017.

Pop, Funk und Anti-Helden – Die eigenwillige Malerei von Peter Saul

Lange bevor „Bad Painting“ ein zentrales Anliegen der zeitgenössischen Kunst wurde, verletzte Peter Saul ganz bewusst den guten Geschmack. Unverkennbar ist auch seine Nähe zur Funk Art, im Speziellen zur Junk Culture, einem spezifischen Genre, das an der West Coast und besonders in San Francisco stark ausgeprägt war.

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Peter Saul, Porträt, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2017, Foto: Norbert Miguletz
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt präsentiert bis 3. September 2017 eine umfassende Überblicksausstellung zum Werk des US-amerikanischen Malers Peter Saul (*1934 in San Francisco). In seiner ganz eigenen Sprache hat er ab den späten 1950er-Jahren ein Crossover aus Pop Art, Surrealismus, Abstraktem Expressionismus, Chicago Imaginism, San Francisco Funk und Cartoon Culture entwickelt, in dem er es versteht hochkomplexe Themen der politischen und sozialen Wirklichkeit anzusprechen. Mit der Pop Art teilt Peter Saul das Interesse am Banalen, an der Konsumgesellschaft und den heiteren Bildwelten des Comics in leuchtenden, ansprechenden Farben. Nicht zuletzt ist sein Werk aber auch mit den ästhetischen Strategien der Gegenkultur in Kalifornien verbunden. Eine fast zornige Malerei zeigt sich, wenn Saul die Schattenseiten des American Dream darstellt. Hier offenbart sich die Gleichzeitigkeit von überbordendem Humor und spielerischer, aber doch harscher Systemkritik. Witz, Slapstick, Sprachspiel, Comic, Persiflage, oft auch derber Humor sind die Mittel seiner karikaturhaften Angriffe auf die US-amerikanische Hochkultur.

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Peter Saul, Oedipus Jr., 1983, Acryl und Öl auf Leinwand, 228,5 x 183 cm, Hall Collection, © Peter Saul, Courtesy Hall Art Foundation, Foto: Jeffrey Nintzel
Abseits von großen künstlerischen Schulen hat Saul ein äußerst eigenwilliges OEuvre entwickelt. Nie wirklich zu einer Gruppe oder Bewegung gehörend, malt er seit mehr als 50 Jahren auf seine Weise gegen die wechselnden künstlerischen Moden an. Sauls Bilder erzählen Geschichten, neigen zur Übertreibung und wehren sich gegen eindeutige Lesarten. Die Schirn versammelt rund 60 Arbeiten dieses bislang viel zu wenig beachteten „artists’ artist“, darunter wegweisende Werkgruppen, wie seine Ice Box Paintings, seine Comic-Narrationen und seine Vietnam-Bilder aus den 1950er- und 1960er-Jahren, noch nie ausgestellte Zeichnungen sowie ausgewählte späte Arbeiten der 1980er- bis 2000er-Jahre.

Dr. Martina Weinhart, Kuratorin der Ausstellung zum OEuvre Peter Sauls, erläutert: „Seit seinen Anfängen in den frühen 1960er-Jahren sind der Humor und die Überschreitung die Waffen, die Peter Saul in seinen Arbeiten respektlos anwendet. Jahre später wurde dies unter dem Label Bad Painting eine zentrale Strategie der Gegenwartskunst. Als Gegner der Political Correctness instrumentiert Saul sein OEuvre als kraftvollen Amoklauf gegen die Regeln, wie ein modernes Kunstwerk zu sein hat. Und als artists’ artist hat er eine jüngere Generation US-amerikanischer Künstler damit maßgeblich beeinflusst.“

Ice Box Paintings, Crime & Superman…

Die Malerei von Peter Saul entspringt einer der wohl spannendsten Phasen der US-amerikanischen Kunstgeschichte. Mitte der 1950er-Jahre brach eine junge Künstlergeneration mit den Regeln und Werten des Abstrakten Expressionismus. Es wurde eine neue Parallele von Kunst und Leben entdeckt, in der das traditionelle Kunstwerk ausgedient hatte. In der Beschäftigung mit dem Alltag ging es darum, eine bürgerliche Vorstellung von Originalität und Einzigartigkeit zurückzuweisen.

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Peter Saul, Ice Box 8, 1963, Öl auf Leinwand, 190 x 160 cm, Hall Collection, © Peter Saul, Courtesy Hall Art Foundation, Foto: Jeffrey Nintzel
Pop etablierte sich als Leitkultur, wurde zu einem globalen Phänomen und fand mit Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Jasper Johns und Robert Rauschenberg seine bekanntesten Vertreter. Peter Sauls Bilder wurden häufig der Pop Art zugeordnet. Trotz der motivischen Verwandtschaft und dem gemeinsamen Interesse an der Alltagskultur, die seine Arbeiten mit der Pop Art verbinden, grenzen sie sich aber auch deutlich davon ab. Den Auftakt der Ausstellung in der Schirn bildet seine frühe Werkgruppe der sogenannten Ice Box Paintings aus den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren. Die Ice Box, der Kühlschrank, ist Symbol für Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum der Nachkriegsgesellschaft. Sauls Bilder stellen das Chaos einer überbordenden Dingwelt dar und berichten von den Verheißungen, die damit einhergehen. Gleichzeitig sind sie auch die Bühne für Erzählungen über die Massen- und Konsumkultur: In wüster Formensprache packt Saul ganze Leben in diese Ice Boxes. Mit ihrem komplex-chaotischen Bildaufbau zeigen sie auch eine gewisse Nähe zur dynamischen Gestik des Abstrakten Expressionismus eines Willem de Kooning. Saul vereint in seiner Malerei gegensätzliche Stilrichtungen wie Pop Art und Abstrakten Expressionismus und fügt seinen Bildern das Erzählen von Geschichten als neues, eigenes Moment hinzu.

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Peter Saul, Superman and Superdog in Jail, 1963, Öl auf Leinwand, 190,5 x 160 cm, Collection of KAWS, © Peter Saul, Foto: Farzad Owrang
Als Protagonisten für seine Narrationen wählte der Maler häufig populäre Helden der Comicstrips, wie etwa Mickey Mouse, Superman oder Donald Duck. Es sind Figuren, die jeder kennt und mit denen sich die Öffentlichkeit identifizierte. In seinen Arbeiten der 1960er-Jahre verhandelt er mit seinen Comic-Charakteren ernste, politische Inhalte. In dem Bild Mickey Mouse vs. The Japs (1962) lässt er die kleine Mickey Mouse, stellvertretend für den Durchschnittsamerikaner, gegen die Japaner kämpfen und bedient damit weniger die Vorstellung der USA als Melting Pot, sondern verweist vielmehr auf die Brüche und Konflikte zwischen den Kulturen. Neben Mickey Mouse tritt Superman – bis heute die bekannteste Figur im Kreise der Superhelden – häufig in seinen Arbeiten auf. Saul dekonstruiert jedoch die Rolle des tadellosen Helden: Er setzt ihn mit Banalitäten ins Bild und konzentriert sich auf seine dunklen Momente der Niederlage. Die Ausstellung präsentiert aus dieser Superman-Werkgruppe etwa Superman and Superdog in Jail (1963), in dem der Held mit zerrissenem Kostüm im Gefängnis sitzt, unter ihm eine Toilettenschüssel, aus der Superdog genüsslich sabbert. Oder etwa auch Superman’s Punishment (1963), in der eine monströse Maschine Superman plattdrückt: Das Bein wird abgeknickt, der Arm flachgewalzt, und das Gesicht ist aschgrau. In einer ganzen Reihe von weiteren Bildern rückt Saul auch die Gegenseite ins Zentrum seiner Erzählungen und illustriert Verbrechen und Gewalt. Er zeigt einen Killer (1964), einen Frauenmord – Woman Being Murdered (1964), einen Täter, der nach einem Sex Crime (1964) die Frauenleiche beseitigen will, oder eine Gruppe von Bankräubern, das Super Crime Team (1961/62). Wo das Verbrechen enden kann, illustriert Saul u. a. in dem Werk Crime Doesn’t Pay (1963) – benannt nach einer beliebten Comic-Serie in den USA – und in Man in Electric Chair (1964), in denen die Gangster und Schurken mit dem Gesetz konfrontiert werden.

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Peter Saul, Crime Doesn’t Pay, 1963, Öl auf Leinwand, 150 x 130 cm, © Peter Saul, Collection of KAWS, Foto: Farzad Owrang
In der Mitte der 1960er-Jahre beginnt Saul, seine Kunst vermehrt mit politischen Botschaften zu verknüpfen. Unverkennbar ist auch seine Nähe zur Funk Art, im Speziellen zur Junk Culture, einem spezifischen Genre, das an der West Coast und besonders in San Francisco stark ausgeprägt war. Seine künstlerische Haltung mit einer Vorliebe für alles Bizarre, Sinnliche, wenig Förmliche und oft sogar Hässliche wird schließlich auch in seinen in der legendären Funk-Ausstellung 1967 am University Art Museum in Berkeley präsentierten Arbeiten sichtbar. Die Funk Art war Ausdruck einer erstarkenden Gegenkultur, die leidenschaftlich die Forderungen des Konsumwahns, die Bigotterie und die Verklemmtheit, die Vulgarität und die Ungerechtigkeit der Welt verachtete. Als einer der ersten Maler wendete sich Saul 1965 mit seinen Vietnam-Bildern einem der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte zu. Die Ausstellung präsentiert Yankee Garbage (1966), Vietnam (1966) und das Hauptwerk dieser Werkgruppe, Saigon (1967), in denen Saul Partei ergreift und seinen Zorn über vom US-amerikanischen Militär in Vietnam begangene Gräueltaten wie Folter und sexualisierte Gewalt ausdrückt. Auch hier bedient sich der Künstler der Comicsprache: Alle Figuren sind in einem chaotischen Durcheinander verbunden, grell bunt und überzeichnet. In diesen Bildern zeigt sich die Gleichzeitigkeit von sehr finsterem, sarkastischem Humor und bissiger Kritik am politischen System.

Galerie – Slide Show:

Neben Themen wie dem Vietnamkrieg und der sexuellen Ausbeutung der Frau verhandelt Saul in seinen Bildern auch Rassenkonflikte und die gesellschaftliche Spaltung durch Armut und Reichtum. Die Schirn stellt eine Auswahl seiner aussagekräftigsten Bilder in der Ausstellung vor, wie etwa The Government of California (1969), in dem Saul einen Showdown von Gut und Böse unter der Golden Gate Bridge inszeniert: der ultra-konservative Gouverneur Ronald Reagan gegen die Menschenrechtsikone Martin Luther King. Neben King hat der Maler mehrfach die Bürgerrechtlerin Angela Davis porträtiert. Das Bild San Quentin #1 (Angela Davis in San Quentin) (1971) zeigt sie nackt vor den Toren des Gefängnisses, gequält von drei Schweinchen namens „Justis“, „Munny“ und „Powur“. In diesem Werk wird auch Sauls Lust am Sprachspiel und das Ignorieren von Rechtschreibung und Semantik deutlich. Sprachliche Regelbrüche ziehen sich durch sein gesamtes OEuvre. Reagan kehrt im Jahr 1983 als Motiv zurück: Mit Ronald Reagan in Grenada bildet Saul den ehemaligen Westernhelden und damaligen Präsidenten der USA als wild um sich ballernden, finsteren Anti-Superman mit Dollarnoten in der Hand ab. Bis heute bewegt sich Peter Sauls Malerei entlang aktueller Themen des US-amerikanischen Zeitgeschehens, wie etwa das Bild Bush at Abu Ghraib aus dem Jahr 2006, zeigt.

Die Ausstellung „Peter Saul“ wird durch die Unterstützung der Terra Foundation for American Art ermöglicht.

Externer Link zur Kunsthalle

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, 60311 Frankfurt. Öffnungszeiten: Dienstag. Freitag – Sonntag 10 – 19 Uhr. Mittwoch, Donnerstag 10 – 22 Uhr

Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt wurde am 28. Februar 1986 feierlich eröffnet. Seitdem hat sie auf rund 2000 m² bislang über 220 Ausstellungen präsentiert, die von mehr als 8 Millionen Besuchern gesehen wurden.

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Ausstellungsansicht „YOKO ONO. HALF-A-WIND SHOW – EINE RETROSPEKTIVE” © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2013, Foto: Norbert Miguletz

Die Schirn ist nicht nur eine der angesehensten und profiliertesten Kunstinstitutionen Europas, sondern auch eine feste Größe im kulturellen Leben der Stadt Frankfurt – ein Ort der Begegnungen, an dem interessierte Bürger, Förderer und Partner, junge oder etablierte Künstler, engagierte Freunde sowie Menschen aus aller Welt zusammenkommen. Das Programm der Schirn richtet seinen Fokus auf kunst- und kulturhistorische Themen, Diskurse und Trends aus der Perspektive der unmittelbaren Gegenwart, mit dem Ziel, neue Sichtweisen zu eröffnen und tradierte Rezeptionsmuster aufzubrechen. Die Ausstellungen widmen sich zeitgenössischen Kunstpositionen und der Kunst der Moderne gleichermaßen. Die Schirn versteht sich als Ort der Entdeckungen und als Seismograf brisanter Entwicklungen in der bildenden Kunst. Das Haus zeichnet sich überdies durch seine aktuelle und zielgerichtete Bildungs- und Vermittlungsarbeit für alle Altersgruppen aus – so zum Beispiel den dauerhaften Spiel- und Lernparcours, die MINISCHIRN oder das Digitorial, ein digitales, ausstellungsbegleitendes Angebot. In den letzten Jahren konnte die Schirn ihre Vorreiterrolle in der integrierten Onlinekommunikation mit zahlreichen fortschrittlichen Anwendungen und Projekten behaupten und weiter ausbauen, angefangen beim Relaunch der Website, dem flächendeckenden, kostenlosen WiFi in den Räumen der Schirn bis hin zu Ausstellungsprojekten, die exklusiv nur online stattfanden. Neben dem Konzept der Website als digitale Begleitung – vor, während und nach dem Ausstellungsbesuch – hat sich das Schirn Magazin mit seinen zahlreichen Artikeln und Features in den Jahren als ein wichtiges Onlinemedium der zeitgenössischen Kunst- und Kulturszene etabliert.

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Yoko Ono in der Ausstellung „YOKO ONO. HALF-A-WIND SHOW – EINE RETROSPEKTIVE”, © Schirn Kunsthalle Frankfurt, 2013, Foto: Gaby Gerster

Mit ihrem Programmschwerpunkt von der Kunst des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart hat die Schirn bislang große Überblicksausstellungen, konzentrierte Themenausstellungen und Retrospektiven präsentiert – so zur radikalen österreichischen Kunst der Jahrhundertwende, zu wegweisenden künstlerischen Positionen des Expressionismus und Dadaismus und zur surrealistischen Objektkunst von Salvador Dalí bis Man Ray. Mit den „Impressionistinnen“ hat sie erstmals die Frauen dieser Bewegung betrachtet, mit „Esprit Montmartre“ die Welt der Pariser Bohème sichtbar gemacht, mit „German Pop“ aufgezeigt, wie überraschend die deutsche Pop-Art sein kann, und jüngst mit den STURM-Frauen, die mehr als 113.897 Besucherinnen und Besucher angezogen haben, ausschließlich Künstlerinnen der Avantgarde im Berlin der 1910er- bis 1930er-Jahre vorgestellt. Auch sozial- und kulturhistorische Themen wie „Shopping – 100 Jahre Kunst und Konsum“, „Privat – Das Ende der Intimität“, die visuelle Kunst der Stalinzeit oder die neue Romantik in der Kunst der Gegenwart wurden beleuchtet; die Einflüsse der Theorien von Charles Darwin auf die Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts und die verblüffenden Kausalitäten zwischen Künstlern der Moderne und selbsternannten „Propheten“ dieser Zeit wurden aufgedeckt, sowie das Porträt in der zeitgenössischen Kunst analysiert. 

Zum Konzept der Schirn gehören auch große Einzelausstellungen, die sich mit einem speziellen Aspekt im OEuvre von Künstlerinnen und Künstlern befassen, wie etwa von Carsten Nicolai, Odilon Redon, Edward Kienholz und Nancy Reddin-Kienholz, Haris Epaminonda, Edvard Munch, Jeff Koons, Gustave Courbet, Yoko Ono, Théodore Géricault, Philip Guston, Helene Schjerfbeck, Ulay, Alberto Giacometti und Bruce Nauman oder René Magritte. Die Künstler Jan De Cock, Jonathan Meese, John Bock, Mike Bouchet, Tobias Rehberger oder Doug Aitken erarbeiteten eigens für die Schirn Ausstellungen bzw. zeigten – wie Daniel Richter – erstmals auch neue Arbeiten und Werkkomplexe. 

Externer Link zur Kunsthalle

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT, Römerberg, 60311 Frankfurt. Öffnungszeiten: Dienstag. Freitag – Sonntag 10 – 19 Uhr. Mittwoch, Donnerstag 10 – 22 Uhr

Arnulf Rainer – Neue Arbeiten auf Papier

Arnulf Rainer, der Widersprüchliche, der Komplexe, der Meisterprovokateur, ist mit seinen 88 Jahren springlebendig, der Schalk blitzt ihm aus den Augen.

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Arnulf Rainer vor Kreuz mit einem verdeckten Engelsflügel bei der Präsentation der Neuerwerbung im LENTOS Kunstmuseum Linz © maschekS. 2016
Seine jüngsten Arbeiten sind farbintensiv, wild, schön und voller Magie. Sie sind lebensfroh, wirken behutsam und offenbaren, wie viele Spätwerke, eine  außerordentliche Leichtigkeit. Rainer übermalt und verbirgt nichts mehr. Alles Darunterliegende, das den Künstler einst in einen Erregungszustand versetzte, hat sich aufgelöst. Mit poetischer Gelassenheit und Präzision zaubert der Einzelgänger in schöpferischen Zusammenhängen virtuose Farbklänge und emotionale Kraftlinien. Die in Serie gearbeiteten Papierarbeiten sind auf Teneriffa, in Wien und Oberösterreich entstanden. Sie verbildlichen eine neue Freiheit und die gegensätzlichen Grundprinzipien von Rainers Kunst: das Gestisch-Expressive oder das Ruhig-Meditative. Alle in der Ausstellung gezeigten Exponate im LENTOS sind Ohne Titel und im Zeitraum von 2015 bis 2016 entstanden und werden zum ersten Mal in einer Ausstellung präsentiert.

DAS KUNSTMUSEUM LENTOS

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Arnulf Rainer, Ohne Titel, 2015/16 © Arnulf Rainer
Insgesamt war der Künstler schon drei Mal mit einer Einzelschau in der Neuen Galerie der Stadt Linz – jetzt LENTOS Kunstmuseum Linz ­– zu Gast. Die Sammlung der Stadt Linz besitzt 86 Arbeiten von Arnulf Rainer darunter Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotoübermalungen und Gemälde. Die jüngste Erwerbung des Fördervereins der LENTOS Freunde, Kreuz mit einem verdeckten Engelsflügel von Arnulf Rainer aus dem Jahr 1998, wurde erst letztes Jahr angekauft und wird seither in der Ausstellung Die Sammlung. Klassiker, Entdeckungen und neue Positionen im LENTOS präsentiert. Zurzeit sind außerdem in der aktuellen Schau Psycho Drawing. Art brut und die ʽ60er und ʽ70er in Österreich  12 Werke des Künstlers zu sehen.

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Arnulf Rainer, Ohne Titel, 2015/16 © Arnulf Rainer
Die kunsthistorische Bedeutung des 1929 in Baden geborenen Arnulf Rainers ist unwiderruflich. Er gilt als Begründer des Informel in Österreich; die in den Fünfzigerjahren entwickelten Übermalungen machen ihn weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt und im internationalen KollegInnenkreis berühmt. Seine intensive Suche nach neuen Wegen der Malerei und die stetige Entwicklung neuer künstlerischer Strategien, begleitet von performativen Arbeiten und umfangreichen Schriften, lassen Arnulf Rainer zu einem der einflussreichsten lebenden Künstler der Gegenwart werden.

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Arnulf Rainer, Ohne Titel, 2015/16 © Arnulf Rainer
Aus Materialmangel beging Rainer seine ersten Übermalungen und fand damit zu seinem eigenen Stil. Arnulf Rainer gehörte zwar nie der Gruppe der Wiener Aktionisten an, näherte sich diesen aber durch seine Übermalungen von Grimassenfotos und Körperbemalungen in den späten Sechzigerjahren an. In dieser Zeit begann auch seine langfristige Auseinandersetzung mit Werken von psychisch Kranken, die den Grundstein für die umfassende Sammlung Rainers zur Art brut legte. In Zusammenarbeit mit Dieter Roth und anderen Künstlerkollegen endstanden ab Mitte der Siebzigerjahre auch umfangreiche Werkzyklen.

Zahllose Ausstellungen legten den Weg zum internationalen Durchbruch: so war Rainer auf der documenta 5, 6 und 7 vertreten, repräsentierte mit Körpersprache-Arbeiten Österreich 1978 auf der Biennale von Venedig und erhielt im selben Jahr den Großen Österreichischen Staatspreis. Arnulf Rainer wurde 1981 zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien sowie zum Mitglied der Akademie der Künste in Berlin ernannt. 1989 zeigte das Solomon R. Guggenheim Museum in New York eine umfassende Retrospektive. 2009 wurde das Arnulf Rainer Museum in Baden eröffnet. 2014/2015 fand in der Wiener Albertina eine große Arnulf-Rainer-Retrospektive statt.

Externer Link zum Museum

Die Ausstellung Arnulf Rainer ist bis zum 30. Juli im LENTOS Kunstmuseum Linz, Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr, Montag geschlossen (ausgenommen an Feiertagen).

Nitsch Museum – Hermann Nitsch

Seit Juni diesen Jahres präsentiert das nitsch museum in Mistelbach die neu konzipierte Ausstellung Hermann Nitsch – Das druckgrafische Werk.

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Hermann Nitsch: O.T. Siebdruck auf Papier, © Atelier Nitsch, Manfred Thumberger
Die aktuelle Jahresausstellung zeigt grafische Werke des Künstlers aus den letzten sechs Jahrzehnten. Es handelt sich dabei um die bislang umfangreichste Präsentation zu diesem Thema. Im Zuge einer fünfjährigen Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien hatte Hermann Nitsch bis 1957 die Möglichkeit, drucktechnische Fertigkeiten zu erlernen. Zeitgleich entwickelte er bereits damals die Idee des Orgien Mysterien Theaters. Mitte der 1960er-Jahre erstellte der Künstler die ersten Zeichnungsskizzen für eine konzeptionelle unterirdische Theaterarchitektur, in der die Aktionen des Orgien Mysterien Theaters stattfinden sollten. Hierfür schuf er eine einzigartige und unverwechselbare Bildsprache.

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Hermann Nitsch –  Die Architektur des Orgien Mysterien Theaters, Lithografie © Atelier Nitsch, Manfred Thumberger
Die Auseinandersetzung mit diesem außergewöhnlichen Architekturansatz wurde zum zentralen Motiv seiner Druckgrafiken und zeigt den unbedingten Konnex zum Gesamtkunstwerk.In
jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit renommierten Verlegern und nationalen sowie internationalen Druckwerkstätten entstanden etliche Grafikmotive zu dieser Thematik. In den 1980er- und 1990er-Jahren gab Fred Jahn der Münchner Druckerei Imhof den Auftrag, mehrere grafische Mappenwerke zur Architektur des Orgien Mysterien Theaters zu realisieren. Durch die Bekanntschaft mit dem österreichischen Drucker Kurt Zein erfuhr Hermann Nitschs druckgrafisches OEuvre Anfang der 1990er-Jahre eine neue technische Dimension. Gemeinsam entwickelten sie die sogenannte Unikatgrafik, bei der auf vorab mit Farbe handüberschüttetem
Papier gedruckt wird.

Drei außergewöhnlichen Druckgrafiken zählen gemeinsam mit den sogenannten Faltplänen zu den monumentalen Großformaten im grafischen Werk des Künstlers: Francesco Conz edierte 1983 „Das
Letzte Abendmahl“, gefolgt von der 2006 durch Ernst Hilger verlegten „Grablegung“ und der 2008 von Peppe Morra herausgegebenen „Eroberung von Jerusalem“.

Slide-Show

„Alles, was Hermann Nitsch macht, was er denkt, malt, zeichnet, dichtet, baut, komponiert, ist Teil des Orgien Mysterien Theaters und erhält von daher seine Bedeutung.“ (Wieland Schmied, Ein Kosmos unter der Erde, 1993).

Ganz im Sinne dieses von Wieland Schmied formulierten Leitmotivs präsentiert die Ausstellung das druckgrafische OEuvre im Kontext des Gesamtkunstwerkes des Künstlers. Gemeinsam mit
Schüttbildern, Relikten, Aktionsfotos, Filmen und Originaldokumenten entsteht eine Gesamtinstallation, die dem Besucher einen perspektivischen Einblick in den Kosmos von Hermann Nitsch ermöglicht. Ergänzt wird das Gesamtkonzept durch eine Video- und Toninstallation im Seitenraum der Ausstellungshalle (Konzept: Hermann Nitsch, audiovisuelle Gestaltung: Frank Gassner), die sich der Synästhesie im Werk des Künstlers, vor allem der Verknüpfung der menschlichen Sinne und der bewussten Wahrnehmung von Sinnesreizen, widmet.

Im Fokus der Ausstellung HERMANN NITSCH – Das druckgrafische Werk stehen Druckgrafiken des Künstlers, die in den letzten sechs Jahrzehnten in enger Kooperation mit renommierten Verlegern in nationalen und internationalen Druckwerkstätten entstanden
sind. Der Werkblock der Druckgrafik wird im Hinblick auf das Gesamtkunstwerk des Künstlers aufbereitet – die Ausstellung wird so zu einer spannenden Zeitreise und mündet in einer Gesamtinstallation, die neue Blickwinkel auf das umfassende OEuvre von Hermann Nitsch ermöglicht. [Quelle: nitsch museum].

Hermann Nitsch über die Musik

[…] „Meine Musik hat ihre Wurzeln im Schrei, im Lärm, ist verbunden mit extremster Erregung, die zur Notwendigkeit des Theaters gehört.“… [Quelle: Nitsch Foundation]

Beim Abspielen des Videos in HD click 1080p (höchste Auflösung) & Full Screen um das Gesamt-Kunstwerk optimal und multisensual genießen zu können.

Externer Link zum nitsch museum

nitsch museum: HERMANN NITSCH – Das druckgrafische Werk. Ausstellungsdauer: 4. Juni 2017 – 8. April 2018

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