Diesen Kuss der ganzen Welt – Moonlight Sonata by Beethoven

Gustav Klimt (1862-1918) war einer  der bekanntesten Vertreter des Wiener Jugendstils und  Präsident der Wiener Secession …

Der Beethovenfries von Gustav Klimt und die Wiener Secession

„Aber hier hört der Spaß auf, und ein brennender Zorn erfaßt jeden Menschen, der noch einen Rest von Anstandsgefühl hat. Was soll man zu dieser gemalten Pornographie sagen? […]

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Gustav Klimt, Beethovenfries, Detail rechte Wand (Diesen Kuss der ganzen Welt), Secession 2013, Foto: Archiv der Secession/Belvedere
Für ein unterirdisches Local, in dem heidnische Orgien gefeiert werden, mögen diese Malereien passen, für Säle, zu deren Besichtigung die Künstler ehrbare Frauen und junge Mädchen einzuladen sich erkühnen, nicht.“ S.G., 22. April 1902, zitiert nach: Hermann Bahr, Gegen Klimt, 1903.„Im linken Seitenschiff hat Gustav Klimt ein entzückendes Friesgemälde geschaffen, so voll seiner kühnen, selbstherrlichen Persönlichkeit, daß man sich zurückhalten muß, um dieses Gemälde nicht sein Hauptwerk zu nennen.“ Ludwig Hevesi, Acht Jahre Secession, 1906. Diese extrem entgegengesetzten Kommentare galten dem Beethovenfries von Gustav Klimt, der sich als Teil der im April 1902 eröffneten Beethovenausstellung der Wiener Secession dem staunenden Publikum offenbarte. Beide Zitate – nur ein Griff aus der Flut an gedruckten Kritiken – stehen für die Polarität zwischen positiver und negativer Wertschätzung, die Klimt von seinen Zeitgenossen erfahren hat. Der Ton dieser Wortmeldungen verrät gleichzeitig, dass die Diskussion um die Person und um den Künstler Gustav Klimt damals in eine sehr emotionale Phase geraten war. Das Schicksal dieser heute weltberühmten Künstlerpersönlichkeit wiederum war auf das Engste mit der Wiener Secession verbunden. Das Gebäude dieser Vereinigung war die Arena, in der sich der Kampf um die Anerkennung der Kunst Gustav Klimts und seiner Zeitgenossen abspielte; gleichzeitig präsentierte es sich als Tempel, in dem den Unwissenden die höchsten Offenbarungen zuteil wurden. Nirgends wird diese Janusköpfigkeit so manifest wie in der Beethovenausstellung, die im Brennpunkt der frühen Geschichte der Secession stand. Ohne diese Gemeinschaftsarbeit, in der die Ideale der jungen Vereinigung ihren wohl konsequentesten Niederschlag fanden, wäre der Beethovenfries nicht denkbar gewesen. Für Klimts künstlerische Entwicklung war die Teilnahme an diesem ehrgeizigen Projekt von entscheidender Bedeutung.

Die Beethovenausstellung – Konzept und Kultobjekt

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Gustav Klimt, Beethovenfries, Detail rechte Wand (Poesie), Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschläger
Im Sommer 1901 – so Ernst Stöhr in seiner Einleitung im Katalog zur Beethovenausstellung – fasste die Vereinigung den Entschluss zu einer „Veranstaltung anderer Art“, die die gewohnten Ausstellungen ablösen sollte. Hatten die Wiener Künstler bisher beispielhafte Einrichtungen geschaffen, die eine optimale Präsentation ihrer eigenen Arbeiten sowie jener ihrer ausländischen Kollegen ermöglicht hatten, so wollten sie diesmal einen großen Schritt weiter gehen: „Der Sehnsucht nach einer großen Aufgabe entsprang der Gedanke, im eigenen Haus das zu wagen, was unsere Zeit dem Schaffensdrang der Künstler vorenthält: die zielbewusste Ausstattung eines Innenraumes.“ Die Secessionisten wollten ihre Auffassungen einer modernen Monumentalkunst modellhaft vorführen, wobei ihnen am Arbeitsprozess sehr viel gelegen war: Gemeinsam wollten sie „lernen“. Im Hintergrund des Unternehmens standen die damals europaweiten Bestrebungen, die – bei allen unterschiedlichen Voraussetzungen – eines gemeinsam hatten: die Wiederherstellung des verlorengeglaubten Zusammenhangs zwischen Architektur, Malerei und Skulptur. Längst vergessene Techniken und weit zurückliegende Stilformen wurden studiert; es wurden jene Epochen idealisiert, in denen die Einheit von Kunst, Religion und Gesellschaft noch als ungebrochen galt. So orientierten sich die Secessionisten laut Katalog an der „Tempelkunst“, dem „Höchsten und Besten, was die Menschen zu allen Zeiten bieten konnten“. Was wäre aber eine Tempelkunst ohne ein alles dominierendes Kultobjekt? Hier ergab sich für die Secessionskünstler der Idealfall schlechthin – Die Beethovenfigur ihres verehrten Leipziger Kollegen Max Klinger näherte sich der Vollendung – und wurde von der Kunstwelt schon voller Spannung erwartet. „Diese eine Hoffnung, der ernsten und herrlichen Huldigung, die Klinger dem großen Beethoven in seinem Denkmale darbringt, eine würdige Umrahmung zu schaffen, genügte, jene Arbeitsfreude zu erzeugen, die trotz des Bewusstseins, dass man nur für wenige Tage schaffe, dauernde Hingabe ins Leben rief.“ – so Ernst Stöhr. Der Beethovenfries von Gustav Klimt und die Wiener Secession weiterlesen

Gustav Klimt – Beethovenfries

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Gustav Klimt, Beethovenfries, Detail rechte Wand (Poesie), Secession 2013, Foto: Oliver Ottenschläger

Andy Warhol – (1928-1987)

„Don’t think about making art, just get it done. Let everyone else decide if it’s good or bad, whether they love it or hate it. While they are deciding, make even more art.“ [Andy Warhol]  

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Andy Warhol, 190×190 cm, Acrylic On Canvas, 2013, © Voka

LENTOS Kunstmuseum Linz

Das 2003 eröffnete LENTOS Kunstmuseum Linz zählt zu den bedeutendsten Museen moderner und zeitgenössischer Kunst in Österreich.

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© Engelhardt Sellin – Lentos Kunstmuseum Linz
Mit einem klaren, schlüssigen Bau der Spitzenklasse, geschaffen von den Zürcher Architekten Weber & Hofer hat Linz seit 2003 ein Kunstmuseum von internationalem Rang erhalten. Das in seiner Schlichtheit bestechende und dabei die Stadtsilhouette
konturierende Museum ist mit der nächtlichen Beleuchtung seiner Glashülle bereits zum Linzer Wahrzeichen geworden. Großzügig dimensionierte Tageslichträume im Obergeschoss gewährleisten auf 2.500 m² ideale Ausstellungsbedingungen, so auch die Ausstellungshalle – der größte Museumsraum Österreichs. Zentral begehbar, sind im Untergeschoss Grafik und Medienkunst beherbergt. Foyer und Shop, ein Auditorium mit 250 Sitzplätzen, den flexibel gestaltbaren Raum für Kunstvermittlung – das Donauatelier – sowie die Bibliothek ergänzen wichtige öffentliche Bereiche, zu denen auch das beliebte Café-Restaurant mit seiner Donau-Panoramaterrasse zählt.

Die Sammlung – eine Geschichte mit Zukunft

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Helnwein Gottfried, The Golden Age 2 (Marilyn Manson als „weißer Mickey“) digitaler Pigmentdruck auf Vinyl, Auflage: 5, 300 x 195 cm, 2003 LENTOS Kunstmuseum Linz © Bildrecht Wien, 2016
Aufbauend auf der Sammlung des Berliner Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt (1888–1965) wurde der Bestand seit 1953 reichhaltig erweitert. Die Sammlung besteht aus rund 1.700 Werken der Malerei, Skulptur und Objektkunst sowie aus mehr als 10.000 Arbeiten auf Papier, darunter 1.000 Fotografien. Die Sammlung wurde im Laufe der Jahre stetig erweitert. Heute liegt der Schwerpunkt auf aktueller österreichischer Kunst. Ermöglicht wird diese Erweiterung der Sammlung nicht zuletzt durch Schenkungen sowie durch regelmäßige Stiftungen der ‚Freunde des Kunstmuseums’.

Das Ausstellungsprogramm – neue Zugänge zur Kunst

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Gustav Klimt, Frauenkopf, 1917, © LENTOS Kunstmuseum Linz
Das Ausstellungsprogramm des Museeums versteht sich als ein bewusstes Zusammenspiel zwischen der permanenten Sammlungspräsentation seiner historischen Bestände und der temporären Präsentation aktueller Ausstellungen. Die Sonderausstellungen sind den vielfältigen Themen und Epochen der Kunst sowie einzelnen KünstlerInnen gewidmet. Berücksichtigt werden dabei sowohl österreichische Standpunkte als auch internationale Entwicklungen in der Gegenwartskunst – und damit der zum Teil interdisziplinäre Einfluss sehr verschiedener Kunstsparten.  Präsentiert werden Werke von Herbert Bayer, VALIE EXPORT, Asta Gröting (ab März 2016), Gottfried Helnwein, Gustav Klimt, Jiri Kolár, Maria Lassnig, Gabriele Münter, Egon Schiele, Andy Warhol und vielen anderen.

LENTOS Kunstmuseum Linz, Ernst-Koref-Promenade 1, 4020 Linz. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr, Montag geschlossen (ausgenommen an Feiertagen).

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