California Dreams: San Francisco – ein Porträt

Bundeskunsthalle - Bonn

Composing v.l.n.r.: Joseph Sharp mit Spitzhacke, Goldpfanne und Gewehr, San Francisco, California Dreams, San Francisco – ein Porträt
Composing v.l.n.r.: Joseph Sharp mit Spitzhacke, Goldpfanne und Gewehr, ca. 1855, © Courtesy of The Bancroft Library, University of California, Berkeley / Alec Soth, Quick Fix Computer Sales & Services, Mountain View, 2013, San Francisco Museum of Modern Art, © Alec Soth, Foto: Don Ross / Das Tanzpaar Wilbur und Mae Tai Sing im Nachtclub "Forbidden City", ca. 1940, © Museum of Performance and Design, San Francisco

California Dreams: San Francisco – ein Porträt. Mit Kunstwerken und historischen Objekten von zahlreichen kalifornischen und europäischen Leihgebern zeichnet die Ausstellung California Dreams – San Francisco in der Budeskunsthalle in Bonn erstmals in Europa ein vielfältiges Porträt der Stadt San Francisco über vier Jahrhunderte. Sie berührt wichtige globale Fragen der Gegenwart, besonders die Themen Migration und Vertreibung. Als Mekka der IT- und Hightech-Industrie ist Silicon Valley im südlichen Teil der San Francisco Bay Area zu einem neuen Einwanderungsmagneten geworden. 

California Dreams: San Francisco – ein Porträt

Wayne Thiebaud, Strasse und Schatten, California Dreams, San Francisco – ein Porträt,
Wayne Thiebaud, Strasse und Schatten,1982/83, Öl auf Leinen, Crocker Art Museum, Sacramento © Wayne Thiebaud, Foto: Crocker Art Museum

California Dreams: Kalifornien und speziell San Francisco stehen als Sehnsuchtsort seit jeher für die Träume von einem „besseren Leben“: Träume von Wohlstand und Überfluss, von anderen (zuweilen utopischen) Gesellschaftsordnungen, innovativen Lebensentwürfen, kreativen künstlerischen Perspektiven und neuen technologischen Horizonten. Sowohl der pazifisch-asiatische Raum im Westen als auch Europa im Osten haben San Francisco nachhaltig geprägt. Von San Francisco gingen immer wieder weltweite Impulse aus: vom Goldrausch im 19. Jahrhundert bis hin zu den großen sozialen und politischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Heute bildet Silicon Valley einen erneuten globalen Anziehungspunkt in der San Francisco Bay Area

„Die Bundeskunsthalle erzählt als erstes europäisches Ausstellungshaus die Geschichte und Gegenwart San Franciscos, die vor 1900 maßgeblich von deutschen Einwanderern mit geprägt wurde. Wir wollen aber nicht nur die bekannten Geschichten wie den Goldrausch oder Hippiebewegung wiederholen, sondern auch die Schattenseiten betrachten, beginnend mit dem Genozid an der indigenen Bevölkerung im Zuge der europäischen Zuwanderung. Bis heute liefert Kalifornien ein weltweit relevantes Beispiel zum Thema Migration. Auch die großen Friedens- und Freiheitsbewegungen, wie die der LGBTQ-Communities, die in San Francisco ihren Anfang nahmen, haben mehr Aktualität denn je. Die Ausstellung ist eine Liebeserklärung an diese innovative und mutige Stadt.“ Rein Wolfs

In drei Abschnitten widmet sich die Ausstellung den Träumen und Realitäten der Menschen in der San Francisco Bay Area in Vergangenheit und Gegenwart:

1. Globale Träume und Individuelle Hoffnungen 

Ricardo Duffy, Die neue Ordnung,
Ricardo Duffy, Die neue Ordnung, 1996, Siebdruck, Los Angeles County Museum of Art © Ricardo Duffy, Foto: bpk / Los Angeles County Museum of Art / Art Resource, NY

California Dreams: Kalifornien – ein klimatisch besonders begünstigter Ort – war die Heimat von über 70 indigenen Völkern, die als Fischer, Jäger und Sammler von den reichen natürlichen Ressourcen des Landes lebten. Im Zuge der europäischen Entdeckungsreisen des 16. Jahrhunderts wurde nach ersten Landungen das Territorium nominell sowohl für die spanische wie auch die englische Krone beansprucht. Die oft in Nebel getauchte Bucht des heutigen San Francisco wurde allerdings erst im 18. Jahrhundert entdeckt. America! America! How real is real ? →

San Francisco de Asís – erster Goldfund

Oriana Weatherbee Day, Die Mission San Francisco de Asís,
Oriana Weatherbee Day, Die Mission San Francisco de Asís (Mission Dolores) 19. Jahrhundert, Öl auf Leinwand, Fine Arts Museums San Francisco © Fine Arts Museum of San Francisco

Die 1776 unter der Herrschaft des Vizekönigreichs Neuspanien gegründete Mission San Francisco de Asís, der zu ihrem Schutz eingerichtete militärische Stützpunkt (Presidio) sowie der kleine Hafenort Yerba Buena bildeten die Keimzelle des heutigen San Francisco. Weiter nördlich an der Pazifikküste errichteten 1812 russische Pelzhändler die Kolonie Ross als den südlichsten Außenposten ihrer Besitzungen in Nordamerika. Der Mexikanische Unabhängigkeitskrieg setzte 1821 der spanischen Kolonialherrschaft ein Ende und machte Kalifornien zur mexikanischen Provinz, bis es 1848 nach dem Sieg der USA im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg – nur wenige Tage nach dem ersten Goldfund – den Vereinigten Staaten zufiel. Für die indigenen Bewohner Kaliforniens bedeuteten diese kolonial- und nationalstaatlichen Machtkämpfe erzwungene Missionierung, wirtschaftliche Ausbeutung, den Verlust ihrer Landbasis und Tod durch eingeschleppte Krankheiten und willkürliche Verfolgung.

Goldrausch – Golden Gate

Charles Christian Nahl, Goldgräber in den Sierras, San Francisco, California Dreams, San Francisco – ein Porträt,
Charles Christian Nahl (und August Wenderoth), Goldgräber in den Sierras, 1851/1852, Öl auf Leinwand,Smithsonian American Art Museum, Washington DC © Smithsonian American Art Museum, Gift of the Fred Heilbron Collection

Waren es bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts hauptsächlich imperiale Visionen, die Kaliforniens Geschicke zu lenken versuchten, so lockte der Goldrausch ab 1849 weltweite Migrationsströme ungeahnten Ausmaßes an das Golden Gate. Hunderttausende Menschen kamen auf der Suche nach einem besseren Leben, nach Gold und Reichtum oder neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten ins Land, und San Francisco wuchs in Rekordzeit zu einer Metropole heran. Einwanderer aus Europa und Asien prägten das Bild der Stadt, deren kulturelle Vielfalt allerdings nicht über die ethnischen und sozialen Hierarchien hinwegtäuschen darf, die von Anfang an herrschten. Bereits in den 1850er Jahren befanden sich 80 Prozent des Sach- und Grundbesitzes in San Francisco in der Hand von weniger als fünf Prozent seiner weißen Bevölkerung.

2. Überlebensträume und der amerikanische Mainstream

Robert Schwartz, Die gestaltlose Straße, California Dreams, San Francisco – ein Porträt,
Robert Schwartz, Die gestaltlose Straße,1997, Öl auf Holz, San Jose Museum of Art © San Jose Museum of Art, Foto: Douglas Sandberg

San Francisco war zur führenden wirtschaftlichen und kulturellen Metropole an der amerikanischen Westküste geworden, als am 18. April 1906 eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten über die Stadt hereinbrach: Ein Erdbeben der Stärke 7,8 zerstörte einen Großteil der Stadt und machte Hunderttausende ihrer Bewohner obdachlos. Die geografische Lage San Franciscos in der Nähe der San-Andreas-Verwerfung – einer Nahtzone zweier tektonischer Erdplatten – lässt bis heute die Gefahr eines Erdbebens zur alltäglichen Bedrohung werden. Verheerende Waldbrände sowie menschengemachte Umweltschäden seit der Zeit des Goldrausches gefährden darüber hinaus die stetig wachsende Bevölkerung der San Francisco Bay Area. Amerika! Disney, Rockwell, Pollock, Warhol →

San Andreas – Der Film – California Dreamin‘

Der Katastrophenfilm „San Andreas“ bezieht sich auf die sogenannte San Andreas Verwerfung, einen auch in der Realität existierenden Erdbebenherd vor der Küste Kaliforniens und schickt den Piloten Tom (Dwayne Johnson) auf eine heikle Mission mitten in die zerstörte Stadt, um dessen eingeschlossene Tochter Blake (Alexandra Daddario) zu retten. Die Filmmusik wurde von Andrew Lockington komponiert. Ferner hat die australische Sängerin SIA eine eigene Coverversion von The Mamas & the Papas – „California Dreamin'“ eingesungen:

3. Gegenkulturen und virtuelle Träume „California Dreams“

California Dreams: Die politischen Bewegungen, alternativen Lebensentwürfe, künstlerischen Innovationen und nicht zuletzt technologischen Revolutionen, die im 20. und 21. Jahrhundert in der San Francisco Bay Area ihren Ausgang nahmen, hatten und haben bis heute weltweit Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg brachen die Künstler der Beat-Generation mit den bis dahin geltenden gesellschaftlichen Normen. Nach New York avancierte in den 1950er Jahren San Francisco zu ihrem kreativen Zentrum. Mit ihren Themen der sexuellen Befreiung, der Hinwendung zu fernöstlichen Religionen und ihrem experimentellen Drogenkonsum wurden sie zu Wegbereitern für die nachfolgenden Generationen.

Hippiebewegung der 1960er Jahre

Pirkle Jones, Black Panthers, California Dreams, San Francisco – ein Porträt,
Pirkle Jones, Black Panthers diskutieren ihre Lektüre, Bobby Hutton Memorial Park, Oakland, CA, 22. September 1968 (aus der Serie: Black Panther, 1968–1969) Gelatinesilberpapier, Museum Ludwig, Köln © Rheinisches Bildarchiv Köln

Kaum eine andere Protestbewegung hat vergleichbare globale Strahlkraft erreicht wie die Hippiebewegung der 1960er Jahre, die sich herkömmlichen Wohlstandsidealen und bürgerlichen Zwängen radikal verweigerte. Flankiert von studentischen Revolten an der Universität in Berkeley und der indianischen Besetzung von Alcatraz, fand die Hippiebewegung ihren politischen Fokus im Protest gegen den Vietnamkrieg und ihren kulturellen Höhepunkt im „Summer of Love“ des Jahres 1967. Nostalgisch am Leben erhalten, prägt sie bis heute das Image San Franciscos. Die in Oakland gegründete Black Panther Party rief zum Widerstand gegen die gesellschaftliche Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung auf und spiegelte das im Zuge der Bürgerrechtsbewegung erstarkte afroamerikanische Selbstbewusstsein wider. Entscheidende Impulse setzte seit den 1950er Jahren auch die Bewegung für die Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender („Queer Liberation“), die auf nationaler und internationaler Ebene die gesellschaftliche Anerkennung und Legalisierung der Homosexualität einforderte.

Bildgalerie zur Ausstellung California Dreams in der Bundeskunsthalle

Für die Ausstellung California Dreams: San Francisco – ein Porträt (12. September 2019 bis 12. Januar 2020 in der Bundeskunsthalle in Bonn) stellen über zwanzig Leihgeber aus den USA – aus San Francisco, Berkeley, Sacramento, San Jose, Laguna Beach, Los Angeles und San Diego in Kalifornien sowie aus Tulsa, Oklahoma, und Washington, DC – ihre Werke zur Verfügung. Ergänzt werden diese durch Leihgaben aus Europa – aus London, Madrid, St. Petersburg, Zürich und mehreren deutschen Städten. Art On Screen – Ticket Service. Tickets einfach und bequem online bestellen: Ticket Service →  …

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