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SHUNGA. Erotische Kunst aus Japan – Ich sag`s der Mama…

Erotische Kunst aus Japan zeigt die künstlerische Qualität der explizit erotischen Farbholzschnitte auf, die trotz langen Verbots durch die japanische Regierung zum Massenphänomen avancierten.

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Hashiguchi Goyō (1880–1921), Yokugo no onna [Frau nach dem Bad], 1918–1920. Aus einer Mappe mit 13 Farbholzschnitten zum Thema „Badende“ © Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK -Georg Mayer

Mit ihrem scheinbar unbekümmerten Umgang mit Nacktheit und Sexualität vermitteln ostasiatische Shunga (Frühlingsbilder) eine freiere Sexualmoral, als sie uns in Europa anerzogen wurde. Die MAK-Ausstellung SHUNGA. Erotische Kunst aus Japan zeigt die künstlerische Qualität der explizit erotischen Farbholzschnitte auf, die trotz langen Verbots durch die japanische Regierung zum Massenphänomen avancierten.Einzelblätter, Alben und Bücher von namhaften Meistern wie Suzuki HarunobuKatsushika Hokusai oder Kitagawa Utamaro, großteils Leihgaben aus der Leopold Privatsammlung, geben im MAK einen repräsentativen Einblick in diese oft tabuisierte Facette der japanischen Kunstgeschichte. Zeitgenössische Aktfotografien von Nobuyoshi Araki spannen den Bogen bis in die Gegenwart.

Japanische Farbholzschnitte

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Kitagawa Utamaro (1753–1806), Ein junger Besucher, 1799. Aus dem Album Negai no itoguchi [Erwachen der Begierde]. Farbholzschnitt © Leopold Privatsammlung, Wien; Foto: MAK – Georg Mayer

Die MAK-Sammlung japanischer Farbholzschnitte zählt mit rund 4 200 Blättern zu den bedeutenden Ukiyo-e-Sammlungen in Europa. Ukiyo-e (Bilder der fließenden Welt), denen die Shunga zuzuordnen sind, illustrieren urbane Vergnügungen sowie bürgerliche Alltagsphänomene rund um die Theater- und Vergnügungsviertel von Edo, dem heutigen Tokio. Die explizite Darstellung von Sexualität in den Shunga versperrte den erotischen Drucken lange Zeit den Eingang in europäische Sammlungen. Auch die MAK-Sammlung beherbergt nur eine Bildrolle eines anonymen Meisters aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhundert – das älteste in der MAK-Ausstellung gezeigte Objekt.

Darstellungen des Liebesspiels

Der formale Umgang mit nackten Körpern und die zum Teil vielschichtigen Anordnungen von Kimonofaltungen heben Shunga deutlich von naturalistischen Darstellungen des Liebesspiels ab. Charakteristisch sind die anatomische Detailgenauigkeit, manchmal extreme Körperstellungen und übergroß dargestellte Genitalien. Oft zeigen Shunga auch humorvolle Szenen, wie beispielsweise ein kleines Mädchen, das durchs Schlüsselloch ein Liebespaar beobachtet und ruft: „Ich sag’s der Mama“.

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Anonym, Bildrolle mit erotischen Szenen, 2. Hälfte 17. Jh.. Farbe und Tusche auf Papier © MAK – Georg Mayer

Fast alle bekannten Ukiyo-e-Künstler entwarfen auch erotische Farbholzschnitte, wodurch sich die künstlerische Qualität von Shunga erklärt. Kitagawa Utamaro (1753–1806) wandelte die ursprünglich verträumten erotischen Szenen Harunobus zu eindeutigeren Darstellungen. Er verleiht dem Genre mehr Selbstverständlichkeit und zeigt auch halberotische häusliche Szenen wie die Schönheit (Bijin) bei der Körperpflege. Die heute am Kunstmarkt kaum noch erhältlichen Alben Utamaros zählen zu den begehrtesten Werken der japanischen Kunst. Seine Serie Negai no itoguchi [Erwachen der Begierde] (1799) ist im MAK vollständig zu sehen. Erotische Phantasien und die Welt der Mythologie und der Geister verknüpft der – nicht nur durch seine Serie 36 Ansichten des Berges Fuji weltberühmte – Katsushika Hokusai (1760–1849). Während der Meiji-Ära (1868–1912) variiert die Qualität der Shunga. Im Zentrum steht nicht länger die Schönheit (Bijin), vielmehr geht es um erotische Motive wie die junge Studentin oder die selbstbewusste Frau. Durch die neuen technischen Möglichkeiten der Fotografie verlor der Farbholzschnitt als Massenmedium ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts an Bedeutung. Der Künstler Hashiguchi Goyō (1880–1921) ließ die Tradition der Ukiyo-e als einer der ersten in „neuen Drucken“ (Shin hanga) wieder aufleben und schuf ein modernes, selbstbewusstes Frauenbild, das an die Blätter Utamaros erinnert.

Sammlung Rudolf Leopold – Museum

Der Großteil der in SHUNGA. Erotische Kunst aus Japan gezeigten Werke stammt aus der herausragenden Ukiyo-e Sammlung Rudolf Leopolds (1925–2010), die sich heute im Eigentum seines Sohnes Diethard Leopold befindet, der die Sammlung stetig erweitert. Die tabulose Darstellung des Geschlechts in den Farbholzschnitten be-eindruckte in Europa und wurde erst durch Egon Schiele in ähnlich direkter Form methodisch in ganzen Serien von Blättern umgesetzt. Die Holzschnitte sind ein kon-stitutiver Bestandteil der Sammlung Rudolf Leopolds, der um den Schiele-Kern eine Gesamtschau von Wien um 1900 zusammentrug. Ein Teil der umfassenden Shunga- Sammlung war in der von Diethard Leopold kuratierten Japan-Ausstellung Fragilität des Daseins im Leopold Museum im Jahr 2012/2013 zu sehen.

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Diese Ausstellung enthält explizit erotische Darstellungen, die das moralische Empfinden von Personen unter 16 Jahren verletzen könnten. Öffnungszeiten: Österreischisches Museum für angewandte Kunst: Di 10:00–22:00 Uhr, Mi–So 10:00–18:00 Uhr, Mo geschlossen. Jeden Dienstag 18:00–22:00 Uhr Eintritt frei

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