Schlagwort-Archive: Impressionen

Ito Shinsui – Nostalgie in der Moderne…

Das Museum Rietberg zeigt zum ersten Mal ausserhalb von Japan eine umfassende Ausstellung mit den 100 besten Holzschnitten von Itō Shinsui (1898-1972), einem der bekanntesten Maler und Holzschnittkünstler der modernen japanischen Kunst.

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Itō Shinsui – Vor dem Spiegel – Farbholzdruck, Japan 1916 © Courtesy Taiyo no Hikari Foundation, Japan
Die Werke stammen aus der Sammlung der Nachkommen des Künstlers selbst sowie aus der Sammlung der Nachkommen von Watanabe Shōzaburō, Shinsuis Verleger und «Vater» der shin hanga (wörtlich «Neue Drucke»), einer der zwei Hauptbewegungen der japanischen Grafikkunst des 20. Jahrhunderts. Die ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts waren eine Zeit der grossen Umbrüche in Japan. Im Zuge der Modernisierung prallten aus dem Westen importierte Ideologien und einheimische traditionelle Werte aufeinander. Auch in der Kunst war die Frage «Ist es möglich, zugleich japanisch und modern zu sein?» von eminenter Wichtigkeit. Die Spaltung in eine westlich orientierte und eine traditionell ausgerichtete Fraktion fand auch in der Holzschnittkunst ihren Niederschlag. Der Avantgarde-Gruppe der sōsaku hanga («Kreative Drucke») stand die Gruppe der shin hanga, die «Neue Drucke»-Bewegung, gegenüber. Während die Vertreter der «Kreativen Drucke» sich an dem im Westen gängigen Verständnis des Künstlers als alleiniger Autor seines Werkes orientierten und daher ihre Drucke unter dem Motto «selbst gezeichnet, selbst geschnitten, selbst gedruckt» (jiga, jikoku, jizuri) produzierten, arbeiteten Shinhanga-Künstler nach dem Modell der traditionellen Holzschnitte, welches eine Kollaboration zwischen Zeichner, Druckblockschneider, Drucker und Verleger vorsieht. Ito Shinsui – Nostalgie in der Moderne… weiterlesen

Ito Shinsui – Vor dem Spiegel, 1916

Vor dem Spiegel – wurde 1915 entworfen und 1916 publiziert, damals war der Künstler SHINSUI gerade 18 Jahre alt. Es gilt bis heute als sein bestes und meist gesuchtes Werk.

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Itō Shinsui – Vor dem Spiegel – Farbholzdruck, Japan 1916 © Courtesy Taiyo no Hikari Foundation, Japan
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Seurat, Signac, Van Gogh – Wege des Pointillismus…

Als Georges Seurat 1891 im Alter von 31 Jahren unerwartet stirbt, ahnt Camille Pissarro bereits, dass sich mit Seurats „Erfindung“ Folgen für die Malerei abzeichnen würden, „die später höchst bedeutungsvoll sein würden“: Mit nur wenigen Bildern hatte Seurat einen Stil begründet, der wegweisend für die Moderne sein sollte: den Pointillismus.

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Théo van Rysselberghe – Sitzender Akt, 1905, Albertina, Sammlung Batliner
Die Albertina widmet dieser faszinierenden Strömung eine hochkarätige Ausstellung, die den Beginn der Moderne mit dem Pointillismus als ihrem Geburtshelfer um ein wesentliches Kapitel vervollständigt: 100 ausgewählte Meisterwerke der Hauptvertreter Seurat und Signac sowie beeindruckende Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen moderner, von der Punktekunst faszinierter Meister wie Van Gogh, Matisse und Picasso illustrieren die atemberaubende Strahlkraft sowie den bedeutenden Einfluss dieser Kunstrichtung. In Kooperation mit dem Kröller-Müller Museum erzählt Seurat, Signac, Van Gogh die Erfolgsgeschichte des Pointillismus von ihrem Anfang 1886 bis zu ihren Auswirkungen Anfang der 1930er-Jahre:

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Robert Delaunay – Akte und Ibisse, 1907, Albertina, Wien – Sammlung Batliner © Robert Delaunay, L & M Services B.V. The Hague
Beginnend mit den bahnbrechenden, frühen Werken von Georges Seurat, Paul Signac und Théo van Rysselberghe spannt die Ausstellung den Bogen über Paul Signacs und Henri-Edmond Cross‘ Transformation der Punkte zu kleinen Quadraten und Mosaiken hin zu den Meisterwerken Vincent Van Goghs. Die kräftigen Farben der Fauves, die dekorativ gesetzten Punkte im Kubismus bei Pablo Picasso und die abstrahierenden Werke von Piet Mondrian stehen dabei ebenfalls im Fokus. Die umfassende Schau beleuchtet nicht nur die einzigartige Metamorphose des Punktes, sondern thematisiert erstmals jene Errungenschaften des Pointillismus, die für die Moderne fruchtbar gemacht wurden, und fügt sich damit neben Van Gogh. Gezeichnete Bilder, Impressionismus. Wie das Licht auf die Leinwand kam und Matisse und die Fauves in die Reihe jener Albertina-Ausstellungen ein, die die Geburtsstunde der Klassischen Moderne thematisieren.

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ITO SHINSUI – Maler und Holzschnittkünstler der modernen japanischen Kunst im 20. Jahrh.

Itō Shinsui, 1898 in Tokio geboren, wuchs in dieser Epoche des Wandels auf. Obwohl es in Japan zu der Zeit bereits eine Kunsterziehung nach westlichem Vorbild gab, wurde er noch im traditionellen Meister-Schüler-Verhältnis ausgebildet.

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Itō Shinsui – Kurtisane – Farbholzdruck, Japan 1916 © Courtesy Taiyo no Hikari Foundation, Japan
Als 13-Jähriger wurde er von Kaburagi Kiyokata (1878-1972), einem der angesehensten Maler seiner Zeit, als Schüler aufgenommen. Bereits im Alter von 15 bis 17 Jahren nahm er an Ausstellungen teil, die das japanische Ministerium für Erziehung (Monbusho) oder private Künstlervereinigungen organisierten. Dank seines grossen Talents wurde er nicht nur mit Lob überhäuft, sondern auch mit diversen Auszeichnungen gesegnet. Im Jahr 1915 entdeckte der Verleger Watanabe Shōzaburō ein Frauenporträt von Shinsui in einer Gruppenausstellung und war so begeistert davon, dass er über Kiyokata an den noch minderjährigen Künstler herantrat und ihn bat, das Gemälde in einen Holzdruck umzuarbeiten. Das im darauffolgenden Jahr erschienene Blatt «Vor dem Spiegel» markiert den Beginn der über 40 Jahre dauernden Zusammenarbeit zwischen Shinsui und Watanabe.

Landschaften

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Itō Shinsui – Schneefall über dem Ukimido-Schrein in Katada – aus der Serie – Acht Ansichten der Region Ōmi (Biwa-See) – Farbholzdruck, Japan 1918 © Courtesy Taiyo no Hikari Foundation, Japan
Itō Shinsui war aber auch ein vorzüglicher Darsteller von Landschaften. Seine früheste Serie, die «Acht Ansichten von Ōmi (Region um den Biwa-See)» (1917), hatte eine bahnbrechende Wirkung auf die Entwicklung der Shinhanga-Landschaften. Anstatt auf die gängige Ikonografie zurückzugreifen, die sich seit dem 15. Jahrhundert in der Malerei und später in den Holzschnitten von Meistern wie Hiroshige herausgebildet hatte, lieferte Shinsui eine erfrischend neue Interpretation, die auf seiner persönlichen Naturerfahrung beruhte. Dieser Ansatz stand den Prinzipien westlicher Kunst näher als den Grundsätzen der ostasiatischen Bildtradition, in welcher das in klassischen Poesien vermittelte Bild einer Landschaft eine wichtigere Rolle spielte als das tatsächliche Aussehen eines Ortes. Shinsuis Landschaften sind meist keine «berühmte Orte», sondern Gegenden, die er selbst bereist und skizziert hat. Auch die Farbpalette und die Behandlung des Lichtes in seinen Landschaftsdrucken erinnern eher an die Werke der Impressionisten und Post-Impressionisten denn an die edo-zeitlichen Holzschnitte.

Das Museum Rietberg in Zürich zeigt zum ersten Mal ausserhalb von Japan eine umfassende Ausstellung mit den 100 besten Holzschnitten von Itō Shinsui (1898-1972).