Hermann Nitsch – Räume aus Farbe

Ausstellung in der Albertina in Wien

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Hermann Nitsch, Schüttbild, 2002, Acryl auf Jute, Albertina, Wien. Sammlung Batliner © Bildrecht, Wien, 2019

Hermann Nitsch. Räume aus Farbe. Für Hermann Nitsch stellt die Malerei eine der Disziplinen seines Orgien Mysterien Theaters dar. Sie ist zutiefst in Aktionismus, Performance, in der Multimedialität verankert. Sie ist der Ursprung der Aktionen und zugleich deren Ergebnis.

Hermann Nitsch Ausstellung – Räume aus Farben

Porträt Hermann Nitsch, Räume aus Farbe
Porträt Hermann Nitsch, © Richard Köhler

Mit der Ausstellung NITSCH. Räume aus Farbe in der Albertina sollen seine Gemälde erstmals exklusiv und gesondert betrachtet werden – nicht als Teil eines größeren Ganzen, sondern als Malerei für sich. Diese Malerei sprengt die Dimensionen des Tafelbilds, erobert flächendeckend die Wand und greift als umfassende Installation in den Raum ein. Die Ausstellung ermöglicht einen Perspektivwechsel, einen anderen Blick auf Nitschs OEuvre. Als Besucherinnen und Besucher erleben wir dieselben Werke ganz anders und in dieser Konzentration in all ihren Unterschieden. NITSCH. Räume aus Farbe zeigt einen Künstler, der seine Malerei von den 1960er-Jahren bis heute konsequent weitergedacht und für jede Malaktion, jede Werkgruppe eine eigene spezifische Herangehensweise entwickelt hat. Die Resultate sind nun in der ALBERTINA als Farbräume und Schüttinstallationen begeh- und erfahrbar. Hermann Nitsch – Das druckgrafische Werk →

Quadratische Schütt- und Schmierbilder, 2012–2018

Hermann Nitsch, Schüttbild, Räume aus Farbe, Albertina Wien
Hermann Nitsch, Schüttbild, 2012, Acryl auf Jute © Bildrecht, Wien, 2019

Im quadratischen Format von 2×2 Metern arbeitet Nitsch erst seit sieben Jahren. Mit der Fokussierung der Fläche auf ein Quadrat gewinnt die Bildmitte an Kraft. Die Gegenüberstellung quadratischer Werke lässt erkennen, wie unterschiedlich Nitsch mit dieser formalen Bedingung umgeht. Die ältesten quadratischen Arbeiten stammen aus dem Jahr 2012. Die jüngsten Arbeiten, jene mit den roten Rinnspuren, sind dieses Jahr im Januar innerhalb von vier Wochen in der 80. Malaktion des Künstlers entstanden. Zu Beginn seiner künstlerischen Laufbahn, in den späten 1950er-Jahren, arbeitet Hermann Nitsch mit ganz unterschiedlichen Formaten. Er greift auf nicht mehr benötigte Hartfaserplatten zurück, die ihm als Grafiker des Technischen Museums in Wien kostenlos zu Verfügung stehen. Wenig später verfügt Nitsch auch über ein eigenes Atelier in der Brünner Straße, das ausreichend Platz bietet. Dort kann er Gemälde realisieren, die mit einer Länge von neun Metern den Atelierraum vollkommen ausfüllen. Nitsch Museum →

Schauspiel des Orgien Mysterien Theaters

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Hermann Nitsch, Schüttbild, 2013, Acryl auf Jute © Bildrecht, Wien, 2019

Hermann Nitsch versteht sein Schaffen als Gesamtkunstwerk, als umfassendes Schauspiel des Orgien Mysterien Theaters. Von seinen Aktionen, deren fotografischer und filmischer Dokumentation, den Aktionsrelikten über die Malerei und sein grafisches Werk bis zu der von ihm komponierten Musik, seinen Texten, Partituren und seinen Bühnenbildern fügen sich die einzelnen Disziplinen zu einem großen Ganzen zusammen. Nitschs zentrales Anliegen ist es, mit seinem Werk reales Geschehen zu inszenieren, dabei alle Sinne anzusprechen sowie Wahrnehmung und Erleben zu intensivieren. Es gilt, durch diesen „Daseinsrausch“ die Existenz des Menschen in der Welt zu festigen. Sein Theater soll ekstatisch-exzessiv die Grenzen der Kunst überwinden, Kunst und Leben eins werden lassen. Nitschs Malerei stand zu Beginn des Orgien Mysterien Theaters, er führte zunächst Grundelemente seines Theaters auf der zweidimensionalen Bildfläche aus, bevor seine Aktionen und Malaktionen vor Publikum den dreidimensionalen Raum einnahmen. Der physische Umgang mit Farbe, die expressive Geste, der aktionistische Farbauftrag, das körperliche Ausagieren standen bei der Malerei Nitschs im Zentrum des Interesses. Nitsch Biografie – Leben, Schüttbilder, Zitate →

Hermann Nitsch „Substanzsinnlichkeit“

Dem Künstler ging und geht es nicht darum, etwas abzubilden, nicht um das Resultat an sich, sondern vielmehr um den Prozess des Malens. An diesem lässt Nitsch in seinen Malaktionen auch ein Publikum teilhaben.

„ich wollte zeigen, wie das verschütten, verspritzen und verschmieren und verplantschen von roter Farbflüssigkeit beim Beschauer sinnlich-intensive Erregung hervorrufen kann, zu sinnlich-intensivem empfinden auffordert.“

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Hermann Nitsch, Schüttbild, 2018, Acryl auf Jute © Bildrecht, Wien, 2019

Das Erfahren der Farbe mit allen Sinnen, die „Substanzsinnlichkeit“ wie Nitsch es nennt, geht vom Künstler und seinen Mitakteurinnen und -akteuren auf das Publikum über. Doch auch im Anschluss bleibt der Entstehungsprozess in den Bildern sichtbar und nachvollziehbar, körperlich nachspürbar. Nitschs Arbeiten zeichnen sich durch die Notwendigkeit der körperlichen Erfahrung aus. Seine Werke, vor allem seine Malerei, lassen sich nicht unbedingt nach rein ästhetischen Kriterien erfassen. Sie erfordern, sich in der Aktion selbst oder im Betrachten im Anschluss auf den Entstehungsprozess einzulassen und ihn in seiner Intensität mit- oder nachzuvollziehen. Besucherinnen und Besucher der aktuellen Ausstellung in der ALBERTINA werden für die Unterschiede in Herangehensweise und Malprozess sensibilisiert, die in der Schau räumlich erfahrbar werden. Hermann Nitsch Ausstellung in der Albertina in Wien. Öffnungszeiten: Täglich 9 – 18 Uhr | Mittwoch & Freitag 9 – 21 Uhr. Albertina Museum. Albertinaplatz 1 | 1010 Wien. Mit dem Art On Screen Ticket Service können Sie Tickets einfach und bequem online bestellen Ticket Service →  …

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