Oskar Kokoschka Biografie – Leben, Zitate, Werke

Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus - Die Wiener Moderne

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WENZEL WEIS 1858–1929 Oskar Kokoschka mit kahlrasiertem Kopf, Wien 1909 © Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, Oskar Kokoschka Zentrum Foto: Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka Zentrum © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

Oskar Kokoschka Biografie (1886-1980). Kokoschka war ein österreichischer Maler, Grafiker und Schriftsteller des Expressionismus und der Wiener Moderne. Der Maler wird am 1. März 1886 als zweites von insgesamt vier Kindern in Pöchlarn bei Melk, Niederösterreich, geboren.

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WENZEL WEIS 1858–1929 Oskar Kokoschka mit kahlrasiertem Kopf, Wien 1909 © Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, Oskar Kokoschka Zentrum Foto: Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka Zentrum © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

„Die Oskar Kokoschka Biografie liest sich wie ein Parallellauf durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts: von seiner Sozialisierung in der k.u.k. Monarchie über die beiden Weltkriege bis hin zum Wirtschaftswunder und der sich schrittweise formierenden Europäischen Gemeinschaft. Die Ausstellung macht nachvollziehbar, wie Kokoschka als wacher Zeitgenosse, dessen unstetes Leben ihn an die verschiedensten Europäischen Orte führte, Anteil nahm an den politischen Geschehnissen des 20. Jahrhunderts und zu einem Vorkämpfer für ein friedvolles, antinationalistisches Europa wurde. Kokoschkas humanistische Haltung, die er in einer unverwechselbaren, an der Figuration festhaltenden Sprache zum Ausdruck brachte, begründet seine ungebrochene Relevanz.“ Heike Eipeldauer, Kuratorin der Ausstellung: Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer → im Leopold Museum in Wien – in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich

Die Oskar Kokoschka Biografie (1886-1980)

1904 – 1910: Staatsstipendium für die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute Universität für angewandte Kunst Wien). Ab 1905/06 erste Ölgemälde. 1907 – Mit zahlreichen Entwürfen beteiligt sich Oskar Kokoschka an der Künstler-Postkartenserie der Wiener Werkstätte. Studien nach vorpubertären Mädchen entstehen. Kabarett Fledermaus-Schattenspiel Das getupfte Ei Der Leiter der Wiener Werkstätte, Fritz Waerndorfer, beauftragt ihn mit einem Märchenbuch. Kokoschka schreibt Die träumenden Knaben – eines der frühesten Dokumente des literarischen Frühexpressionismus – und illustriert die Dichtung mit acht Farblithografien. In dieser Zeit lernt er Lilith Lang, Mitstudentin und Schwester seines Studienfreundes Erwin, kennen. Er verliebt sich und schafft neben dem von ihr inspirierten Märchenbuch zahlreiche Aktzeichnungen nach ihr und entwirft einen Rock für sie. 1908 – Teilnahme an der Kunstschau Wien, für die der Künstler das Plakat Baumwollpflückerin entwirft und anlässlich derer er seine Arbeiten zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentieren kann. Kokoschka erntet einzelne positive Besprechungen,jedoch vorwiegend Kritik, die ihn dafür auf einen Schlag bekannt macht. Er lernt den Architekten Adolf Loos kennen, der zu einem seiner frühesten Förderer wird. Oskar Kokoschka Biografie. Die Wiener Moderne → … 

Unkraut ist die Opposition der Natur gegen die Regierung der Gärtner. (Zitat: Oskar Kokoschka) 

Kokoschka – Adolf Loos – Karl Kraus

OSKAR KOKOSCHKA - Adolf Loos,
OSKAR KOKOSCHKA, Adolf Loos, 1909 © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB/Roman März © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

1909 – Teilnahme an der Internationalen Kunstschau Wien. Mit Freunden und Mitschülern feiert er die Uraufführungen der Komödie Eine Groteske (später in Sphinx und Strohmann. Ein Curiosum umbenannt) und des Dramas Mörder, Hoffnung der Frauen. Zu diesem Zweck schafft er ein aufsehenerregendes expressives Plakat mit Anklängen an Pietà-Darstellungen. Der bahnbrechende Architekt Adolf Loos verschafft Kokoschka Porträtaufträge und führt ihn in den Kreis um die Schriftsteller Karl Kraus und Peter Altenberg ein. Er verkehrt zudem im Akademischen Verband für Literatur und Musik in Wien um die Pädagogin Eugenie Schwarzwald und deren Gatten Hermann, zu dem auch die Komponisten Arnold Schönberg und Anton von Webern gehören, die er allesamt porträtiert. Diese frühen Arbeiten finden jedoch kaum Käufer. 1910 – Anfang des Jahres reist Kokoschka mit Loos in die Schweiz, wo sie die Freundin des Architekten, Bessie Bruce, im Lungensanatorium in Les Avants besuchen. Kokoschka kommt dort zahlreichen Porträtaufträgen nach und verewigt den Blick über den Genfersee im Landschaftsgemälde „Dent[s] du Midi“. Zurück in Wien lernt er durch den Fackel-Herausgeber Karl Kraus Herwarth Walden kennen, den Gründer der Berliner Zeitschrift Der Sturm und Besitzer der gleichnamigen Galerie. Kokoschka reist nach Berlin, um Walden bei der Herausgabe seiner Zeitschrift zu unterstützen. Darin veröffentlicht Kokoschka neben Zeichnungen auch Mörder, Hoffnung der Frauen mit eigens dafür geschaffener Illustration. Durch die Veröffentlichungen im Sturm erlangt Kokoschka in Deutschland Bekanntheit. Im Juni findet in der Galerie Paul Cassirer in Berlin die erste Sturm-Ausstellung zusammen mit dem Maler Hans Hofmann statt. Im August folgt die erste Einzelausstellung im Folkwang-Museum in Hagen sowie der erste Museumsankauf durch dessen Begründer, Karl Ernst Osthaus. Oskar Kokoschka Biografie. Klimt, Schiele, Kokoschka →

„Wer etwas zu sagen hat, trete hervor und schweige“ KARL KRAUS einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller 1874-1936

Kokoschka und Alma Mahler – Eine schwierige Liebesbeziehung

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Doppelbildnis Oskar Kokoschka und Alma Mahler, 1912/13 © Museum Folkwang, Essen Foto: Museum Folkwang, Essen/Artothek © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

1911 – 1918 Im Januar kehrt Kokoschka nach Wien zurück und nimmt im Februar mit 25 Gemälden an der Gruppenausstellung der Künstlervereinigung Hagenbund teil. Die Kritiken sind überwiegend vernichtend. Eine lebenslange Freundschaft mit Albert Ehrenstein beginnt, dessen Erzählung Tubutsch er illustriert. Neben Porträts widmet Kokoschka sich nun auch religiösen Bildthemen und zeichnet weiterhin für den Sturm. Im Herbst folgt eine Anstellung als Zeichenlehrer an der von Eugenie Schwarzwald gegründeten Privatschule für Mädchen. 1912 – Mitte April lernt Kokoschka durch den Maler Carl Moll dessen Stieftochter Alma Mahler, Witwe des weltberühmten Komponisten Gustav Mahler, kennen. Es ist der Beginn einer leidenschaftlichen, aber schwierigen Liebesbeziehung. Sie inspiriert ihn zu zahlreichen Porträts und illustrierten Dichtungen. 1913 – Zusammen mit Alma Mahler reist er nach Venedig und Neapel, anschließend beginnt die Arbeit am Gemälde Die Windsbraut →. Ende August unternimmt er mit Alma Mahler eine Dolomitenreise. Vom Hotel aus malt er den Blick auf den Tre Croci-Pass. Zurück in Wien bezieht der Künstler sein erstes eigenes Atelier. 1914 – Kokoschka und Alma Mahler entfremden sich, er meldet sich kurz darauf freiwillig zum Kriegsdienst. Durch Empfehlung von Loos kommt er zum k. u. k. Dragoner Regiment N° 15. 1915 – Es kommt zur endgültigen Trennung von Alma Mahler, die eine Beziehung mit dem Architekten Walter Gropius eingegangen ist. Kokoschka meldet sich an die Front und zieht sich dort durch einen Genickschuss und einen Bajonettstich in die Lunge schwere Verletzungen zu. Stadt der Frauen – Künstlerinnen in Wien →

Freiheit ist ein Kaugummibegriff geworden – an jedem Schlagbaum versteht man etwas anderes darunter. (Zitat: Oskar Kokoschka)

Erster Weltkrieg

1916 – Oskar Kokoschka wird für drei Monate als „felduntauglich“ erklärt, begleitet aber im Sommer als Verbindungsoffizier eine Gruppe von Kriegsmalern an die Isonzo-Front. Es entstehen farbige Zeichnungen vom Kriegsgeschehen. Er erleidet einen Gehörsturz durch eine neben ihm explodierende Granate und kommt ins Militärlazarett in Wien, anschließend zur Erholung nach Berlin. In Berlin und Dresden bemüht sich Kokoschka um eine Professur. Er schließt mit dem Galeristen Walden einen Vertrag ab, kurz danach wechselt er zur Galerie Paul Cassirer. Der Galerist garantiert ihm bis 1931 ein monatliches Mindesteinkommen, mit dem er auch seine Eltern und Geschwister stärker finanziell unterstützen kann. Ab Dezember hält sich Kokoschka zur Rekonvaleszenz im Sanatorium Weißer Hirsch bei Dresden auf. Er findet Anschluss an den Künstler- und Literatenkreis um den Arzt Dr. Fritz Neuberger und die SchauspielerinKäthe Richter. Zu diesem zählen auch die Dichter Walter Hasenclever und Ivar von Lücken. Kokoschka hält sein persönliches Umfeld unter anderem auf den Gemälden Die Auswanderer (Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München) und Die Freunde (LENTOS Kunstmuseum, Linz → …) fest. 1917 – Im April wird im Cabaret Voltaire in Zürich Hiob – Kokoschkas drittes Drama – unter der Regie von Marcel Janco sowie der Mitwirkung von Hugo Ball und Tristan Tzara aufgeführt. Zwei Monate später führt er im Dresdner Albert-Theater selbst Regie. Der österrreichisch-ungarische Außenminister lädt Kokoschka zur Teilnahme an der Österreichischischen Kunstausstellung in Stockholm anlässlich des Internationalen Friedenskongresses ein. In Schweden lässt er sich vom Wiener Physiologen Robert Barany für dienstuntauglich erklären. 1918 – Kokoschka schickt das fertige Manuskript von Orpheus und Eurydike an Alma Mahler. Im selben Jahr lernt er die Münchner Puppenmacherin Hermine Moos kennen und bestellt bei ihr eine Puppe nach Alma Mahler. Innerhalb von acht Monaten fertigt sie in ihrem Elternhaus eine lebensgroße, 30 Kilogramm schwere Puppe. Er arbeitet an der von Paul Westheim im selben Jahr veröffentlichten ersten Kokoschka-Monografie. Ende des Jahres erhält Kokoschka eine Einzelausstellung bei Paul Cassirer in Berlin und erlebt dort die Novemberrevolution. Als Reaktion darauf entsteht die Farblithografie Das Prinzip. Oskar Kokoschka Biografie. Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer → … 

Man muss im Leben für seine Erfahrungen bezahlen. Wenn man Glück hat, bekommt man Rabatt. (Zitat: Oskar Kokoschka)

Reisen nach Venedig, Florenz, Paris …

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OSKAR KOKOSCHKA, Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918/19 © Leopold Museum, Wien Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

1919 – 1923: Trotz ausführlicher Anweisungen, die er Hermine Moos per Brief und anhand einer Ölskizze zukommen lässt, entspricht die im April eingetroffene Puppe nicht seinen Erwartungen. Dennoch verwendet er sie als Modell für zahlreiche Zeichnungen und für das Gemälde Frau in Blau (1919, Staatsgalerie Stuttgart), bevor er sie zerstört. Im August 1919 wird er für sieben Jahre als Professor an die Dresdner Akademie berufen. Von seinem neuen Atelier aus malt er bis 1923 zehn Elblandschaften. Im Sommer 1920 hält sich Kokoschka mehrere Monate in Wien auf, wo er mit finanzieller Unterstützung Cassirers ein Haus für seine Familie erwirbt. Zurück in Dresden geht er eine Beziehung mit der russischen Gesangsstudentin Anna Kallin ein, die zu ihm zieht. Sie wird in den folgenden Jahren seine engste Vertraute. Im Mai 1922 nimmt Kokoschka mit zwölf Gemälden erstmals an der Biennale von Venedig teil, wo er im Deutschen Pavillon einen eigenen Saal erhält. Kokoschka fühlt sich vom geregelten Akademieleben in Dresden erdrückt und reist in die Schweiz. Zurück in Dresden beantragt er eine zweijährige Beurlaubung von der Lehrtätigkeit, die ihm genehmigt wird. 1924−1929 Es folgen ausgedehnte Reisen, die Kokoschka quer durch Europa führen, unter anderem nach Venedig, Florenz, Monte Carlo, Nizza, Marseille, Madrid, Sevilla, Toledo, Paris und Amsterdam. Es entstehen zahlreiche Landschafts-und Städtebilder. Am 7. Januar 1926 nimmt sich Cassirer das Leben. Kokoschka trifft sich mit dessen Nachfolgern, Grete Ring und Walter Feilchenfeldt, die den Vertrag mit ihm erneuern. In der Folge reist er nach London, wo er sechs Monate bleibt. Seine ausgiebigen Reisen führen schließlich zur Vertragsauflösung mit der Dresdner Akademie. Das Kunsthaus Zürich richtet im Juni 1927 mit rund 260 Werken die bisher umfangreichste Ausstellung seiner Arbeiten aus. Zwischen 1928 und 1930 führen ihn seine Reisen durch Nordafrika, in den Nahen Osten, nach Griechenland, in die Türkei und in west-europäische Länder wie Frankreich, Spanien, Portugal und England. Oskar Kokoschka Biografie. Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer → … 

Die wahre Kunst ist eine Kunst des Weglassens. Nur Pseudo – Künstler tragen unter allen Umständen dick auf. (Zitat: Oskar Kokoschka)

„Entartete Kunst“

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OSKAR KOKOSCHKA, Anschluss – Alice im Wunderland, 1942 © Wiener Städtische Versicherung AG – Vienna Insurance Group Foto: Wiener Städtische Versicherung AG – Vienna Insurance Group/Fotostudio Otto © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

1930 – 1933 Ab Oktober mietet der Künstler ein Atelierin Paris, wo er sich bis 1933 immer wieder aufhält. Im Herbst 1930 beginnen die ersten Übergriffe der Nationalsozialisten auf die „entartete Kunst“. Kokoschkas Werke werden im Weimarer Schlossmuseum beschlagnahmt. Der Kunsthandel wird durch die Weltwirtschaftskrise ab 1929 erschwert. Kokoschka löst den Vertrag mit der Galerie Cassirer auf, weil diese sein Gehalt kürzen will, und befindet sich in der Folge seit längerer Zeit wieder in Geldnöten. Von Herbst 1931 bis Frühjahr 1932 ist Kokoschka erneut in Wien, um im Auftrag der Stadt die Ansicht Schloss Wilhelminenberg mit Blick auf Wien zu malen. Danach hält er sich wieder in Paris auf. Beteiligung an der Biennale von Venedig. Die Hetze der deutschen Presse gegen Kokoschka nimmt nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler zu. Fünf seiner Werke werden in der Dresdner Kunstsammlung beschlagnahmt. Er verfasst einen kritischen Essay gegen den Kulturmythos des Nationalsozialismus unter dem Titel Totem und Tabu – Denkübungen eines Zynikers.1934 – 1936 Kokoschka hält in Budapest den Vortrag Zur „Via lucis“ des Comenius über die Notwendigkeit von Erziehungsreformen. Im Februar 1934 bricht in Wien der Bürgerkrieg aus. Im Juli stirbt seine Mutter, der er sehr nahe-stand. Die politischen Ereignisse in Österreich und Deutschland bewegen ihn am 25. September dazu, nach Prag zu übersiedeln, wo seine Schwester Berta seit 1918 lebt und er seine zukünftige Frau Oldriska- Aloisie Palkovská, kurz Olda, kennenlernt. Seinen Plan, von Prag nach Moskau weiterzureisen und Josef Stalin zu porträtieren, kann er aus finanziellen Gründen nicht umsetzen. Kokoschka beginnt mit dem Drama Comenius, das er erst 1956 als Fragment veröffentlicht. 1935 malt er das Porträt des Gründungspräsidenten der Tschechoslowakei, Tomáš G. Masaryk, mit dessen Hilfe er die tschechische Staatsbürgerschaft erhält. Zwischen 1934 und 1938 entstehen 17 Stadtansichten von Prag. Der erste Band von Ernst Rathenaus Verkverzeichnis der Handzeichnungen erscheint in Berlin, wird aber sogleich von der Gestapo konfisziert. Kokoschka tritt in Schriften und Vorträgen gegen die Unmenschlichkeit des Nationalsozialismus ein. 1937 Seine Werke werden in der Ausstellung Exposition d’Art Autrichien in Paris und in der ihm gewidmeten Retrospektive im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie in Wien (heute MAK Wien) gezeigt. Auf der am 19. Juli eröffneten Münchner Ausstellung Entartete Kunst sind neun Gemälde und wahrscheinlich acht Arbeiten auf Papier Kokoschkas ausgestellt. Kokoschka verfasst aus Protest den Aufsatz Entartete Kunst, der erst 1975 veröffentlicht wird, sowie Der moderne Staat – ein Absurdum. 1938−1946 Auf Initiative von Olda gelingt ihnen am 18. Oktober im letzten Moment die Flucht vor den Nationalsozialisten nach England. Sie leben mittellos in London und siedeln zwischenzeitlich nach Polperro in Cornwall über. Beginn der Arbeiten am Gemälde Die Krabbe, bei dem es sich um eine Allegorie auf Englands zögerliche Politik gegenüber Hitler handelt, die Kokoschka kritisiert. Im englischen Exil entstehen weitere allegorische Gemälde, die Bezug auf die aktuelle politische Situation nehmen. Im März 1939 wird in London der Freie Deutsche Kulturbund gegründet, der sich zum Zentrum emigrierter Künstler entwickelt. Kokoschka steht dem Bund zusammen mit Stefan Zweig, Alfred Kerr und Berthold Viertel als Präsident vor. Am 30. Juni 1939 findet in Luzern durch den Kunsthändler Theodor Fischer die Versteigerung von 125 in deutschen Museen beschlagnahmten Kunstwerken statt, darunter neun Gemälde Kokoschkas. Im Mai 1941 heiratet er Olda. Während des Krieges sind keine Auslandsreisen möglich, dafür hält sich das Paar mehrmals in Nordwales und Schottland auf. Im Oktober 1942 hält Kokoschka eine pro-sowjetische Rede zur 25. Jahresfeier der Sowjetunion, die unter den Mitgliedern des Freien Deutschen Kulturbundes zu Unstimmigkeiten führt. Nach der Kapitulation Deutschlands schreibt Kokoschka den Aufsatz Das Wesen der österreichischen Kultur, in dem er über die kulturelle Tradition Österreichs raisonniert. Oskar Kokoschka Biografie. Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer → … 

Aus meiner Schulzeit sind mir nur meine Bildungslücken in Erinnerung geblieben. (Zitat: Oskar Kokoschka)

Olda und Oskar Kokoschka

OSKAR KOKOSCHKA, Selbstbildnis an der Staffelei
OSKAR KOKOSCHKA, Selbstbildnis an der Staffelei, 1922 © Leopold Privatsammlung Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger © Fondation Oskar Kokoschka/Bildrecht Wien, 2019

1947 – 1980: Olda und Oskar Kokoschka erhalten die britische Staatsbürgerschaft, die ihnen das Reisen in den folgenden Jahren erleichtert. Im März eröffnet in der Kunsthalle Basel die erste große Kokoschka-Ausstellung nach dem Krieg, die im Sommer im Kunsthaus Zürich gezeigt wird. 1948-1949 Kokoschka und Olda reisen nach Venedig zur Biennale, an der er mit 16 Gemälden vertreten ist. Im Herbst 1948 findet in Boston eine große Retrospektive mit über 120 Werken statt, die im Anschluss nach Washington, Saint Louis, San Francisco, Wilmington und schließlich nach New York an das Museum of Modern Art wandert. Kokoschka reist im Sommer 1949 zum ersten Mal in die USA, um seine Ausstellung in New York zu sehen. Er wird zunehmend in den USA bekannt. Im Frühling 1949 trifft er den Wiener Bürgermeister und späteren österreichischen Bundespräsidenten Theodor Körner, den er kurz darauf in Wien porträtiert. Im Juli unterrichtet er einen Sommerkurs an der Tanglewood School in Boston. 1950 Für den Londoner Stadtpalast von Antoine Graf Seilern malt Kokoschka Die Prometheus Saga. In Salzburg finden Gespräche mit dem Galeristen Friedrich Welz über die Gründung einer internationalen, allen zugänglichen Sommerschule für Kunst statt. Erste Ausstellung nach dem Krieg in Deutschland, im Haus der Kunst in München, die anschließend in Hamburg und Mannheim gezeigt wird. 1951 Kokoschka reist nach Italien und in die Schweiz, wo er sich ein Grundstück in Villeneuve am Genfersee kauft. In der Schweiz wohnen seine treuesten Förderer, zu denen neben dem ehemaligen Direktor des Kunsthaus Zürich, Wilhelm Wartmann, Kokoschkas Kunsthändlerfreund Walter Feilchenfeldt, der Anwalt Friedrich T. Gubler und wichtige private Auftraggeber wie der Sammler und Industrielle Emil G. Bührle oder die Familie des Seidenfabrikanten Hans Angehrn zählen. 1952 Auf der Biennale von Venedig sind Die Prometheus -Saga und weitere neue Werke Kokoschkas ausgestellt. Im November 1952 und erneut 1957 ist Kokoschka Gastdozent an der Minneapolis School of Art. 1953 Eröffnung der Internationalen Sommerakademie auf der Festung Hohensalzburg in Salzburg, an der Kokoschka bis 1963 unter dem Namen „Schule des Sehens“ unterrichtet. Im September zieht er mit Olda in die Villa Delphin in Villeneuve. 1954-1956 Kokoschka beginnt 1954 das Triptychon Thermopylae für die Hamburger Universität. Durch Vermittlung des Dirigenten Wilhelm Furtwängler entwirft er Kostüme und Bühnenbilder für Wolfgang Amadeus Mozarts die Zauberflöte an den Salzburger Festspielen 1955. Im Frühjahr 1956 begibt er sich auf eine Rundreise durch Griechenland. 1957-1960 Reisen nach London, Italien und in die USA. 1958 findet im Künstlerhaus Wien die mit rund 682 Werken bisher größte Retrospektive statt. 1960-1964 Erneute Griechenland- und Italienreise. Kokoschka arbeitet an Bühnenbildentwürfen für die Aufführung seines Stückes Orpheus und Eurydike, das im Dezember 1960 im Wiener Atelier-Theater am Naschmarkt Premiere feiert. Anlässlich der Festspiele in Florenz 1963 wird Giuseppe Verdis Oper Ein Maskenball aufgeführt, für die Kokoschka die Bühnenbilder und Kostüme entworfen hat. 1964-1965 Reise nach Marokko. Im Oktober 1965 findet in Genf die Premiere von Mozarts Die Zauberflöte mit Kokoschkas Ausstattung statt. 1966-1968 Kokoschka malt das Porträt des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Konrad Adenauer. Eine Retrospektive im Kunsthaus Zürich → … und weitere Ausstellungen anlässlich seines 80. Geburtstags folgen. Auf Bitte des Verlegers Axel Springer malt Kokoschka vom Verlagshochhaus den Blick über die Mauer in den Ostteil von Berlin. 1967 Reisen nach Libyen, Tunesien, Spanien, in die Türkei. Anschließend hält er sich erneut in London auf. Kokoschka arbeitet an Illustrationen zu Aristophanes’ Komödie Die Frösche, mit denen er auch auf die Militärdiktatur in Griechenland anspielt. In thematischer Fortführung entsteht das Gemälde Die Frösche, auf dessen Rückseite er schreibt: „Europa’s SUNSET 1968 PRAGUE 23.8.68“ – ein Kommentar auf den Einmarsch der russischen Truppen in Prag. 1969-1972 Kokoschka reist unter anderem nach Griechenland und Zypern. 1971 veröffentlicht er seine Autobiografie Mein Leben. Zum 85. Geburtstag findet in der Österreichischen Galerie Belvedere → …, Wien, eine große Retrospektive statt, zu der Kokoschka anreist. 1973-1976 Reisen nach Israel, Süditalien, Madeira. Die vierbändige Ausgabe des schriftlichen Werkes (1973–1976) von Heinz Spielmann und das Werkverzeichnis der Druckgrafik (1975) von Hans Maria Wingler und Friedrich Welz erscheinen. 1974 nimmt Kokoschka wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an. Am 4. Januar 1980 erleidet der Künstler einen Schlaganfall und stirbt am 22. Februar in Montreux. Die Oskar Kokoschka Biografie wurde von Martina Ciardelli anlässlich der Ausstellung Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer im Leopold Museum in Wien – in Kooperation mit dem Kunsthaus Zürich, zusammengestellt. Oskar Kokoschkas Biografie. Oskar Kokoschka. Expressionist, Migrant, Europäer → … 

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