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LEOPOLD MUSEUM | Wien

DIE SAMMLUNG LEOPOLD  zählt zu den weltweit bedeutendsten Sammlungen der österreichischen Moderne. Die weit über 5000 Exponate umfassende Kollektion, die das Sammler-Ehepaar Rudolf und Elisabeth Leopold über fünf Jahrzehnte zusammengestellt hat, wurde im Jahr 1994 mit Hilfe der Republik Österreich und der Österreichischen Nationalbank in die Leopold Museum-Privatstiftung eingebracht.

MEISTERWERKE DER ÖSTERREICHISCHEN MODERNE – WIEN 1900 – JUGENDSTIL – EXPRESSIONISMUS –  Größte Egon-Schiele-Sammlung

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Gustav Klimt, Tod und Leben, 1910-15 © Leopold Museum, Wien, Inv. 630
Das Leopold Museum präsentiert im Museums Quartier die weltweit größte und bedeutendste Egon Schiele-Sammlung gemeinsam mit Meisterwerken von Gustav Klimt und Oskar Kokoschka. Die Kunst der Zwischenkriegszeit ist u.a. mit Werken von Richard Gerstl, Herbert Boeckl, Hans Böhler, Albin Egger-Lienz, Anton Faistauer, Anton Kolig, Alfred Kubin, Wilhelm Thöny u.v.a. vertreten. Dazu kommen herausragende Werke aus dem 19. Jahrhundert von Ferdinand Georg Waldmüller, Friedrich Gauermann, August von Pettenkofen, Anton Romako, Emil Jakob Schindler, Carl Schuch u.a.m. Die Sammlung Leopold umfasst Gemälde und Grafiken der Kunst um 1900, sowie wesentliche Gegenstände des österreichischen Kunstgewerbes von Otto Wagner, Adolf Loos, Josef Hoffmann, Koloman Moser und Dagobert Peche, viele davon aus der Produktion der Wiener Werkstätte. Teil der Sammlung Leopold sind weiters genuine Objekte aus Afrika und Ozeanien. Werke alter chinesischer und japanischer Kunst ergänzen die Präsentation.

DAS MUSEUM

Fünf Jahrzehnte dauerte es, die Sammlung Leopold zusammenzutragen, seit dem Jahr 2001 hat sie im Leopold Museum ihren endgültigen Platz gefunden: Prof. Dr. Rudolf Leopold (1925–2010), leitete bis zum Ende seines Lebens das gemeinsam mit der Republik Österreich und der Österreichischen Nationalbank gestiftete und vom österreichischen Staat erbaute Museum.

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Oskar Kokoschka, Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918-19, Leopold Museum, Wien, Inv. 623 © Leopold Museum, Wien Fondation Oskar Kokoschka-VBK, Wien 2013
Es ist das größte und meistbesuchte Haus des Wiener Museums Quartier. Kern der Sammlung ist die österreichische Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, darunter Hauptwerke von Egon Schiele und Gustav Klimt. Hier wird der Wandel vom Jugendstil zum Expressionismus Schritt für Schritt nachvollziehbar. Den kunsthistorischen Kontext vermitteln Spitzenwerke der österreichischen Kunstgeschichte des 19. Und 20. Jahrhunderts, aber auch einige bedeutende Werke der internationalen Kunst. In großzügigen, lichtdurchfluteten Sälen begegnet man neben Gemälden und Zeichnungen auch kostbarem Kunsthandwerk und Mobiliar aus der Zeit der Wiener Werkstätte, Originalstücken etwa von Koloman Moser oder Otto Wagner, Josef Hoffmann und Adolf Loos. Ein weiterer Sammlungsschwerpunkt sind Skulpturen Afrikas und Ozeaniens. Derartige Objekte dienten vielen Künstlern der Klassischen Moderne als Inspirationsquelle. Das Leopold Museum bietet in Wien die einzige alle Kunstgattungen von Gemälden über Grafik bis zum Kunsthandwerk umfassende Dauerpräsentation zu Wien 1900.

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Egon Schiel, Bildnis Wally Neuzil, 1912 © Leopold Museeum, Wien, INV 453
Bis zum Tag der Übersiedlung ins Museum hat die Familie Leopold inmitten der Bilder ihrer Sammlung gelebt, die Möbel und Gebrauchsgegenstände täglich benutzt. Was mit dem ersten Gemäldekauf des Medizinstudenten Rudolf Leopold begann, entwickelte sich zu einer wahren Kunstleidenschaft. 1994 stiftete Rudolf Leopold mehr als 5000 Werke mit einem Gesamtwert von geschätzten 575 Millionen Euro. Die Werke der Sammlung, allen voran jene von Schiele und Klimt, haben seit den 50er Jahren einen enormen Wertzuwachs erfahren. Dieser ist vor allem dem Umstand zu danken, dass der Sammler lange vor anderen den Wert einer herausragenden Kunst zu einer Zeit erkannte, als diese allgemein verpönt war: Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden Klimt und Schiele in Österreich nur von wenigen geschätzt, die Kunst Egon Schieles von vielen sogar verachtet. Rudolf Leopold hat nie auf die Urteile seiner Zeitgenossen gehört und setzte sich manches Mal sogar bei Auktionen dem Spott anderer aus, so zum Beispiel als er 1954 unter dem Gelächter der Anwesenden einen damals noch als entartet und pornografisch« geltenden Schiele-Akt ersteigerte.

Leopold verließ sich beim Kaufen und Tauschen auf seine ästhetische Urteilskraft – und die Zeit gab ihm Recht. Aus der subjektiven Auswahl ist eine allgemein anerkannte Kulturinstitution geworden, ein Sammlermuseum, inhaltlich wie substantiell nicht mehr wegzudenken aus der Wiener Museumslandschaft. Der gewaltige Kubus aus hellem Muschelkalk prägt die Gestalt des gesamten Museums Quartiers. Im Inneren des Gebäudes gewinnt man Einblick in ein zentrales Stück österreichischer Geschichte und kultureller Identität. Übersehenes zu entdecken war des Sammlers Prinzip, das bis heute das Programm der Sonderausstellungen prägt. Neben der wissenschaftlichen Aufarbeitung der österreichischen Kunstgeschichte sind es oft Gegenüberstellungen künstlerischer Positionen, die neue Aspekte der Sammlung beleuchten. Professor Leopold führte seine Erfolgsgeschichte im Gespräch gern darauf zurück, dass er die Begabung habe, mit seinen »künstlerisch sehenden« Augen die Erschaffung eines Werks nachzuvollziehen. Rudolf Leopolds besondere Fähigkeiten lagen im genaueren Wahrnehmen, im geübten Vergleichen und inspirierten Hervorheben des Wichtigen. Stets brachte er seine subjektiven Gefühle und Stimmungen ein und nahm eine äußerst persönliche Auswahl, Reihung und Präsentation vor. So wurde der Stifter und Museumsgründer – ganz im Sinne der Wiener Secessionisten – zum Schöpfer eines Gesamtkunstwerks, das aus unbeirrbar avantgardistischer Haltung entstand. Das Leopold Museum ist durch seinen Namen für immer mit dem Sammler verbunden, die Sammlung selbst ist Würdigung der österreichischen Kunst und Hommage an die Wiener Moderne.

Von Schiele bis Munch – Sonderausstellungen im Leopold Museum

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Egon Schiele: Versinkende Sonne, 1913, © Leopold Museum, Wien, Inv. 625
Mehr als 60 hochkarätige Sonderausstellungen haben in den ersten zehn Jahren des Museums die permanenten Sammlungen ergänzt, so z.B. Egon Schiele. Landschaften«, Die nackte Wahrheit, Edvard Munch und das Unheimliche«, Ausstellungen zu den Künstlern Kolo Moser, Joseph Maria Olbrich, Josef Maria Auchentaller oder Albin Egger- Lienz sowie Präsentationen bedeutender internationaler Sammlungen. Hervorzuheben sind etwa Präsentation der Meisterwerke des Impressionismus aus dem Musée d´Orsay (Manet, Monet, Degas etc.) oder die Schau zu den Highlights der Klassischen Moderne aus der Schweizer Fondation Beyeler (Cézanne, Picasso, Giacometti u.v.a.). Im Jubiläumsjahr des 10jährigen Bestehens würdigte das Leopold Museum mit Melancholie und Provokation. Das Egon Schiele-Projekt« den bedeutenden Künstler Egon Schiele. Zu Klimts 150. Geburtstag zeigte das Leopold Museum 2012 die erfolgreiche Ausstellung »Klimt persönlich« und mit »nackte männer. von 1800 bis heute« eine der erfolgreichsten Ausstellung des Hauses, die international starke Beachtung fand. Das Leopold Museum präsentiert regelmäßig Sonderausstellungen in intensiver Zusammenarbeit mit führenden Museen aus aller Welt und gastiert vielfach im Ausland, etwa in Athen, Basel, Mailand, Oslo, Paris.

RUDOLF LEOPOLD

SAMMLER, STIFTER UND MUSEOLOGISCHER DIREKTOR DES LEOPOLD MUSEUM

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Prof. Dr. Rudolf Leopold
Professor Rudolf Leopold, geboren am 1. März 1925 in Wien, promovierte 1953 zum Doktor der gesamten Heilkunde. Noch während des Medizinstudiums begann er auch Vorlesungen der Kunstgeschichte zu besuchen und zugleich Bilder und Kunstobjekte zu sammeln, vor allem Werke des damals wenig geachteten Egon Schiele. Mit einer 1955 durch Leopold zusammengestellten Ausstellung moderner österreichischer Kunst in Amsterdam und in Eindhoven rückte der bisher unbekannte Schiele schlagartig in die erste Reihe der europäischen Künstler. Es folgten Schiele-Ausstellungen in Innsbruck (1963), London (1964) und zusammen mit Werken Gustav Klimts 1965 im New Yorker Guggenheim Museum. 1968, zum 50. Todestag Schieles, eröffneten drei Ausstellungen in Wien, 1975 eine große Schau in München. 1972 veröffentlichte Rudolf Leopold seine große Schiele-Monographie als kritisches Werkverzeichnis mit genauem Motivnachweis. 1989 bis 1991 wurde die Schau »Egon Schiele und seine Zeit« mit großem Erfolg in Zürich, Wien, München, Wuppertal und London gezeigt. 1995/96 stellte Rudolf Leopold 152 von ihm ausgewählte Werke Schieles erfolgreich in Tübingen, Düsseldorf und Hamburg aus, weitere Stationen waren 1997 Graz, New York und Barcelona. Im Sommer 1998 wurde die Ausstellung  Egon Schiele. Die Sammlung Leopold in Schieles Heimatstadt Tulln präsentiert, im Herbst desselben Jahres eine Auswahl in Innsbruck. Zur Weltausstellung Expo 2000 in Hannover waren über 230 Kunstwerke in der Kestner-Gesellschaft zu sehen. 1994 wurde vom Stifter Leopold und der Republik Österreich mit Hilfe der Österreichischen Nationalbank die Leopold Museum-Privatstiftung gegründet, in die über 5000 Kunstwerke der Sammlung eingingen. Erste Aufgabe der Stiftung war es, die umfassende Kollektion durch einen Museumsneubau der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1997 bekam Rudolf Leopold das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst erster Klasse verliehen, 2001 wurde das Leopold Museum eröffnet. In den folgenden Jahren zeigte das Museum mehr als 60 hochkarätige Sonderausstellungen und präsentierte die Sammlung mehrmals außerhalb Österreichs, so zum Beispiel in Mailand, Athen, Hamburg und Oslo. Rudolf Leopold, Museologischer Direktor des Leopold Museum auf Lebenszeit, widmete seine Kraft unermüdlich dem Wohle der Kunst. Er verstarb am 29. Juni 2010. Seine letzte Ruhestätte befindet sich am Grinzinger Friedhof in Wien.

Leopold Museum Logo © Leopold Museum, Wien
Externer Link zum Museum

Leopold Museum-Privatstiftung, Museums Quartier Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien. ÖFFNUNGSZEITEN Täglich außer Dienstag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr, Dienstag geschlossen, Juni, Juli, August: Täglich geöffnet

johann hauser … der künstler bin ich!

10 Jahre Museum Gugging – 90 Jahre Johann Hauser – 200 Meisterwerke. 

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Johann Hauser, 1993, Foto und © Martin Vukovits
Johann Hauser wurde schon sehr früh zum Star unter den Gugginger Künstlern. Mit seinem prägnanten Strich war Hauser von anderen Künstlern wie Jean Dubuffet bis Arnulf Rainer hoch geschätzt. Seine Bildnisse von schönen und hässlichen Frauen, Raketen und Panzern, Schlangen und Schlössern sind intensiv, mächtig und bewegend. Kaum ein Künstler eignet sich mehr dazu, zehn Jahre museum gugging gebührend zu feiern. Die Schau „johann hauser … der künstler bin ich!“ gibt mit ungefähr 200 Werken einen repräsentativen Einblick in das Lebenswerk dieses besonderen Künstlers. Hauser, Schöpfer des „Blauen Sterns“ von Gugging, hat hunderte farbenprächtige Bildnisse geschaffen, die in öffentlichen und privaten Sammlungen weltweit vertreten und aus der internationalen Art Brut-Szene nicht mehr wegzudenken sind. Hausers Frauendarstellungen sind voll offensiver Erotik und beeindrucken durch ihre kraftvolle Strichführung. Seine verspielte Seite zeigt der Künstler bei seinen Darstellungen anderer Themen: Flugzeuge, Kriegsschiffe, Hubschrauber, Schlösser, grüne Schlangen. Sie ziehen die BetrachterInnen durch ihre farbliche und emotionale Intensität in ihren Bann.

Ausstellungen in Europa, USA und Japan

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Johann HAUSER, Herz, 1982, Grafit, Wachskreide auf Zeichenkarton, © Privatstiftung, Künstler aus Gugging
Erste Ausstellungen in den 1970er-Jahren brachten frühe Erfolge und erste Publikationen. Unter Navratils Nachfolger Johann Feilacher, der das „Zentrum für Kunst- und Psychotherapie“ in das „Haus der Künstler“ umwandelte und von der Klinik abtrennte, wurde Hausers Werk in ganz Europa, den USA und Japan gezeigt. Hauser wurde zu Vernissagen in Helsinki, Köln, Philadelphia oder New York eingeladen und genoss seinen Ruhm und die damit verbundenen Reisen.  Johann Hauser hinterließ etwa 2.500 Zeichnungen und fast 150 Radierungen, ein Lebenswerk, das ihn in die erste Reihe aller Art Brut-Künstler brachte. Seine Werke sind weltweit in privaten und öffentlichen Sammlungen, wie den Landessammlungen Niederösterreich, dem Museum der Moderne Wien – Stiftung Ludwig, LENTOS Kunstmuseum Linz, Collection de´l Art Brut in Lausanne, Setagaya Art Museum Tokio, Whitworth Art Gallery Manchester u.a., vertreten. Im Jahr 1990 erhielt Johann Hauser gemeinsam mit seinen Gugginger Künstlerkollegen den Oskar-Kokoschka-Preis für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst. Hauser starb im Alter von 69 Jahren im Jänner 1996. johann hauser … der künstler bin ich! weiterlesen

SCHIELE und KLIMT, Meisterwerke der österreichischen Moderne – Jugendstil – Expressionismus…

Das Leopold Museum präsentiert im Museums Quartier die weltweit größte und bedeutendste Egon Schiele Sammlung gemeinsam mit Meisterwerken von Gustav Klimt und Oskar Kokoschka.  Das Museum verfügt mit 41 Gemälden und 188 Arbeiten auf Papier über die weltweit größte und bedeutendste Sammlung an Werken des Expressionisten Egon Schiele (Tulln 1890–1918 Wien). 

DIE WIEDERENTDECKUNG SCHIELES DURCH RUDOLF LEOPOLD

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Egon, Melanie und Elvira Schiele mit ihren Eltern, 1893 © Privatbesitz Foto Anonym
Als Schiele 1918 mit nur 28 Jahren an der Spanischen Grippe starb, galt er vielen als der wichtigste österreichische Künstler seiner Zeit. In den Jahrzehnten nach seinem frühen Tod geriet er jedoch immer mehr in Vergessenheit, wurde in der Zeit des Nationalsozialismus posthum zum »entarteten Künstler« erklärt. Zu Beginn der 1950er Jahre sah der junge Medizin- und Kunstgeschichtestudent Rudolf Leopold erstmals Werke von Egon Schiele. Er bemerkte, dass diese in Qualität, Ausdruckskraft und technischer Meisterschaft durchaus den Alten Meistern vergleichbar waren.

SCHIELES AUFSTIEG ZU WELTRUHM

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Egon Schiele, Selbstbildnis mit hochgezogener nackter Schulter, 1912 © Leopold Museum, Wien, Inv. 653
Am freien Markt waren damals noch viele Gemälde und Blätter von Egon Schiele erhältlich und sogar erschwinglich, wenngleich auch nicht ganz billig: ein großformatiges Ölgemälde war in etwa so viel wert wie ein neuer Kleinwagen. Seit damals hat sich der Marktpreis für Schieles Werke vervielfacht. Seine Gemälde erzielen mittlerweile bereits Preise im zweistelligen Millionenbereich. An Schieles weltweitem Ruhm und internationaler Wertschätzung war Rudolf Leopold maßgeblich beteiligt. SYSTEMATISCHES SAMMELN Durch akribische Nachforschungen gelang es Leopold, wichtige Hauptwerke, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf der ganzen Welt verstreut waren, zu erwerben. Von Beginn an setzte sich der leidenschaftliche Sammler auch für das Ansehen Schieles ein. Schließlich war der Künstler damals noch nicht sonderlich bekannt und wurde teilweise sogar abschätzig beurteilt. Rudolf Leopold kuratierte und beschickte zahlreiche Ausstellungen weltweit, setzte Forschungen in Gang und veröffentliche 1972 ein umfangreiches kritisches Werkverzeichnis der Gemälde.

EGON SCHIELE. DIE SAMMLUNG LEOPOLD

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Egon Schiele, Der Häuserbogen II, 1915 © Leopold Museum, Wien, Inv. 456
Im Laufe der Jahre wuchs die Sammlung zur heute weltweit bedeutendsten Schiele-Kollektion an. Sie umfasst 41 Gemälde und rund 190 Arbeiten auf Papier. Rudolf Leopold begeisterte sich besonders für die frühe expressionistische Phase des Künstlers, die heute unbestritten als Schieles wichtigste künstlerische Periode angesehen wird. Die Sammlung umfasst jedoch Gemälde und Zeichnungen aus allen Werkphasen des Künstlers. Gemälde wie »Sitzender Männerakt« (Selbstdarstellung, auch Gelber Akt genannt) von 1910, »Die Eremiten« von 1912 (Es zeigt vermutlich Egon Schiele mit Gustav Klimt), »Selbstbildnis mit  Kampionfrüchten« und das Pendant »Bildnis Wally Neuzil« von 1912 oder »Kardinal und Nonne« (Liebkosung), ebenfalls von 1912 zählen zu den weltweit bekanntesten Werken des Künstlers.

Neben den Selbstbildnissen, Porträts und Allegorien bilden die Stadtlandschaften, allen voran die Ansichten von Krumau einen Schwerpunkt in Schieles Werk. In der Sammlung Leopold sind herausragende Landschaftsbilder vertreten wie etwa »Häuser am Meer« oder die Krumaudarstellungen »Der Häuserbogen« oder »Hauswand am Fluss« aus dem Jahr 1915. Auch hundert Jahre nach ihrer Entstehung haben Schieles Bilder nichts an Faszination und Aktualität verloren. Das mitten im Ersten Weltkrieg entstandene Werk »Entschwebung« (Die Blinden II) von 1915 ist nicht nur eines des ausdrucksstärksten Werke des Künstlers, sondern Schieles größtes, heute noch erhaltenes Bild überhaupt. [Quelle: Leopold Museum]

Leopold Museum Logo © Leopold Museum, WienLeopold Museum-Privatstiftung, Museums Quartier Wien, Museumsplatz 1, 1070 Wien. ÖFFNUNGSZEITEN Täglich außer Dienstag 10–18 Uhr, Donnerstag 10–21 Uhr, Dienstag geschlossen, Juni, Juli, August: Täglich geöffnet

Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen im Belvedere in Wien…

Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka und die „Frauenfrage“…
Klimt, Schiele, Kokoschka | Gustav Klimt, Fritza Riedler, 1906, Öl auf Leinwand, 153 x 133 cm, © Belvedere, Wien
Gustav Klimt, Fritza Riedler, 1906, Öl auf Leinwand, 153 x 133 cm, © Belvedere, Wien

[…] Am Anfang des 20. Jahrhunderts stellten weitreichende gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen sowie eine gedankliche Neuorientierung die traditionellen Geschlechterrollen infrage. Die zunehmende Gleichstellung von Mann und Frau rief hierbei einerseits heftige Gegenargumente hervor – beispielsweise vom populären Theoretiker Otto Weininger. Andererseits kann die sexuelle Befreiung aber als ein gemeinsames Ziel betrachtet werden, da sowohl bei Männern als auch bei Frauen der Wunsch bestand, aus den moralischen Zwängen des 19. Jahrhunderts auszubrechen. Das relativ freimütige Bekenntnis zur sexuellen Lust auf männlicher und weiblicher Seite versetzte die österreichische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in Aufruhr und erfüllte die Werke der führenden Künstler des Landes mit einer Mischung aus Grauen und Begeisterung.

Klimt, Schiele, Kokoschka | Gustav Klimt, Goldfische, 190102, Öl auf Leinwand, 181 x 67 cm, © Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung, 1980
Gustav Klimt, Goldfische, 190102, Öl auf Leinwand, 181 x 67 cm, © Kunstmuseum Solothurn, Dübi-Müller-Stiftung, 1980

Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka näherten sich der damals allgemein als „Frauenfrage“ bezeichneten Thematik jeweils auf eigene Art und Weise, wobei es auch zu Überschneidungen kam. Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen geht diesen Unterschieden und Gemeinsamkeiten auf den Grund und liefert dabei neue Einblicke in die Geschlechterbeziehungen des frühen 20. Jahrhunderts sowie in die Ursprünge der modernen sexuellen Identität. Die sowohl chronologisch als auch thematisch gegliederte Ausstellung konzentriert sich dabei auf vier Hauptthemen: auf das Porträt, das (Liebes-)Paar, die Mutter und das Kind und den Akt.
Es ist wohl nicht weiter verwunderlich, dass Klimts kostbare, elegante und in leuchtenden Farben ausgeführte Porträts bei den Damen der Wiener Gesellschaft regen Anklang fanden. Doch die individuelle Persönlichkeit der Dargestellten ließ der Künstler beinahe vollkommen hinter die reich ornamentierten Oberflächen zurücktreten. Schiele und Kokoschka kehrten diese dekorative Formel um, indem sie ihre Modelle in eine bildnerische Leere stießen. Damit erzwangen sie eine Konfrontation mit existenziellen Ängsten, die hinter Klimts Horror Vacui verborgen geblieben war. Der damals herrschenden Auffassung zum Trotz, dass Frauen keine Seele hätten, prägten Schiele und Kokoschka damit eine neue, moderne und psychologischen Fragen nachgehende Porträtmalerei.

Auch das Motiv der Mutter mit dem Kind, eines der ältesten Bildthemen der westlichen religiösen Kunst, wurde unter dem Druck der Sexualpolitik des Fin de Siècle einer Wandlung unterzogen. In der allgemeinen Vorstellung kategorisierte man Frauen als „Madonnen“ (keusch und mütterlich) oder „Huren“ (sexuell unersättliche Räuberinnen). Klimt und Schiele unterwanderten diese Dichotomie, indem sie Akte von Schwangeren und nackte Mütter zeigten. Damit stellten sie eine ausdrückliche Verbindung zwischen Mutterschaft und weiblicher Sexualität her. Kokoschka hingegen scheint tatsächlich der Auffassung gewesen zu sein, dass die Mutterschaft eine Frau von sexueller Promiskuität „heilen“ könne.

Klimt, Schiele, Kokoschka

Klimt, Schiele, Kokoschka | Oskar Kokoschka, Martha Hirsch, 1909, Öl auf Leinwand, 88 x 70 cm, Privatsammlung, © Fondation Oskar Kokoschka Bildrecht, Wien, 2015
Oskar Kokoschka, Martha Hirsch, 1909, Öl auf Leinwand, 88 x 70 cm, Privatsammlung, © Fondation Oskar Kokoschka Bildrecht, Wien, 2015

Aus den Werken Klimts, Schieles und Kokoschkas geht hervor, dass alle drei am Glauben an die romantische Liebe festhielten: an eine Verbindung von Seelenverwandten, die durch erotische Leidenschaft besiegelt wurde. Doch während Klimt in seinen Liebespaardarstellungen den Inhalt auf eine allegorische Ebene hob, ließen die beiden Expressionisten persönliche Erfahrungen in ihr Werk mit einfließen. Tatsächlich sind Evokationen glücklos verlaufender Beziehungen bei Schiele und Kokoschka oft emotional überzeugender als ihre Darstellungen idealisierter, glücklicher Liebender. Da Mann und Frau damals als Gegensatz verstanden wurden, konnte keine reibungslose Vereinigung der beiden stattfinden.

Bei den weiblichen Aktdarstellungen der westlichen Kunst bestand das Ziel traditionell darin, die der Frau innewohnende Erotik durch einen Prozess der Ordnung und der Idealisierung zu unterdrücken. Am Beginn des letzten Jahrhunderts äußerte sich die Angst des Mannes vor der weiblichen Sexualität im Konzept der Femme fatale, einem bei Klimt wiederkehrenden Thema. Abgesehen von diesen in der damaligen Zeit durchaus umstrittenen schamlosen und provokanten Frauen findet sich jedoch insgesamt wenig im Werk des Künstlers, das das Primat des männlichen Blicks erschüttern würde. Klimts Akte sind von verführerischer Schönheit, und in vielen seiner eindeutig erotischen Zeichnungen sind sie von einer Passivität, die an Bewusstlosigkeit grenzt. [Quelle: Belvedere]

Vor dem Besuch der Ausstellung möchte ART ON SCREEN Sie durch die wundervolle Parkanlage begleiten. [Video] Vision & Sound of Vienna hier…

Die Ausstellung – Klimt/Schiele/Kokoschka und die Frauen
Bis zum 28. Februar 2016 – Unteres Belvedere.
Täglich von 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr geöffnet.