Jeanne Mammen, Die Großstadt, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine

Jeanne Mammen – Die Beobachterin

Die Zeichnerin und Malerin Jeanne Mammen (1890-1976) ist eine der sperrigsten und schillerndsten Figuren der jüngeren, deutschen Kunstgeschichte.

Jeanne Mammen, Die Großstadt, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Jeanne Mammen, Die Großstadt, um 1927, Titelblattentwurf für: Die Großstadt, 1927, Jg. I, Heft 1, Berlinische Galerie, © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Repro: © Kai-Annett Becker
Die Berliner Künstlerin repräsentiert den raren Typus der starken selbstständigen Frau am Beginn der Moderne. Krieg, Zerstörung, Armut und den Wiederaufstieg aus Ruinen durchlebte Mammen auf sehr eigene und produktive Weise. Mit einer der bisher umfangreichsten Mammen-Retrospektiven widmet sich die Berlinische Galerie nun der Wiederentdeckung ihrer ikonischen Arbeiten aus den 1920er-Jahren.  Jeanne Mammens Gesamtwerk spiegelt in all seinen heftigen Brüchen mit unterhaltsamen wie kritisch kommentierenden Bildern die politischen und ästhetischen Erschütterungen des letzten Jahrhunderts. In Fachkreisen wird sie bereits seit Langem weit über Berlin und Deutschland hinaus geschätzt. Einer breiten Öffentlichkeit ist sie bisher wenig bekannt. Das mag verschiedene Gründe haben: Zum einen ist Mammens Werk nicht leicht auf nur einen Nenner zu bringen. Zum anderen erschweren ihre Diskretion, Verschwiegen- und Bescheidenheit, das Fehlen von Tagebüchern, umfangreichen Korrespondenzen, öffentlichen Auftritten, von Lebenspartnern oder Nachwuchs einen leichten und populären Zugang. Jeanne Mammens Bedeutung innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts wird bis heute unterschätzt. Berlinische Gallerie – Das Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur möchte dies nun ändern. Gezeigt werden rund 170 Arbeiten aus über 60 Schaffensjahren. 

Jeanne Mammen – Im Sturm der Zeit – Stationen einer Biografie

Jeanne Mammen, o. T. (Selbstbildnis), Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Jeanne Mammen, o. T. (Selbstbildnis), o. D. (um 1926), Förderverein der Jeanne-Mammen-Stiftung e.V., © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Repro: © Mathias Schormann
Jeanne Mammen wurde 1890 als Kind einer vermögenden Unternehmerfamilie in Berlin geboren. 1901 zog die Familie aus geschäftlichen Gründen nach Paris, wo sie mit drei Geschwistern behütet aufwuchs und das fortschrittliche Lycée Molière besuchte. Mit 16 Jahren begann Mammen eine Kunstausbildung an der Pariser Académie Julian. Es folgten Studienaufenthalte in Brüssel und Rom. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 erfuhr Mammen einen jähen Angriff auf ihre Existenz: In Frankreich lebende Deutsche wurden enteig-net und ausgewiesen. Mittellos begann Mammen einen Neustart in ihrer alten Heimatstadt. Hier zeigte sich erstmalig ihre Fähigkeit, widrigsten Umständen zu trotzen. Mammens Talent und Vielseitigkeit bescherten ihr nach entbehrungsreicher Zeit ab ca. 1925 künstlerischen Erfolg und Wohlstand. 1933 kam es zur zweiten existenziellen Katastrophe in Jeanne Mammens Biografie: Naziherrschaft und Weltkrieg beendeten ihre Karriere, drängten sie zum Rückzug und brachten sie in große finanzielle Nöte. Alles andere als unproduktiv überstand sie in Berlin auch diese Zeit der Armut und Entbehrungen. 1945 kehrte die Künstlerin in die Öffentlichkeit zurück. Am 22. April 1976 starb Jeanne Mammen. Die Beobachterin – Retrospektive:

 

Berlinische Galerie, Buchstabenfeld mit Künstlernamen, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine

Ausstellung: Die Beobachterin – Retrospektive. 06.10.2017–15.01.2018. Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Alte Jakobstrasse in Berlin.

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