Schlagwort-Archive: Hermann Nitsch

Nitsch Museum – Hermann Nitsch

Seit Juni diesen Jahres präsentiert das nitsch museum in Mistelbach die neu konzipierte Ausstellung Hermann Nitsch – Das druckgrafische Werk.

Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Hermann Nitsch: O.T. Siebdruck auf Papier, © Atelier Nitsch, Manfred Thumberger
Die aktuelle Jahresausstellung zeigt grafische Werke des Künstlers aus den letzten sechs Jahrzehnten. Es handelt sich dabei um die bislang umfangreichste Präsentation zu diesem Thema. Im Zuge einer fünfjährigen Ausbildung an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien hatte Hermann Nitsch bis 1957 die Möglichkeit, drucktechnische Fertigkeiten zu erlernen. Zeitgleich entwickelte er bereits damals die Idee des Orgien Mysterien Theaters. Mitte der 1960er-Jahre erstellte der Künstler die ersten Zeichnungsskizzen für eine konzeptionelle unterirdische Theaterarchitektur, in der die Aktionen des Orgien Mysterien Theaters stattfinden sollten. Hierfür schuf er eine einzigartige und unverwechselbare Bildsprache.

Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Hermann Nitsch –  Die Architektur des Orgien Mysterien Theaters, Lithografie © Atelier Nitsch, Manfred Thumberger
Die Auseinandersetzung mit diesem außergewöhnlichen Architekturansatz wurde zum zentralen Motiv seiner Druckgrafiken und zeigt den unbedingten Konnex zum Gesamtkunstwerk.In
jahrzehntelanger Zusammenarbeit mit renommierten Verlegern und nationalen sowie internationalen Druckwerkstätten entstanden etliche Grafikmotive zu dieser Thematik. In den 1980er- und 1990er-Jahren gab Fred Jahn der Münchner Druckerei Imhof den Auftrag, mehrere grafische Mappenwerke zur Architektur des Orgien Mysterien Theaters zu realisieren. Durch die Bekanntschaft mit dem österreichischen Drucker Kurt Zein erfuhr Hermann Nitschs druckgrafisches OEuvre Anfang der 1990er-Jahre eine neue technische Dimension. Gemeinsam entwickelten sie die sogenannte Unikatgrafik, bei der auf vorab mit Farbe handüberschüttetem
Papier gedruckt wird.

Drei außergewöhnlichen Druckgrafiken zählen gemeinsam mit den sogenannten Faltplänen zu den monumentalen Großformaten im grafischen Werk des Künstlers: Francesco Conz edierte 1983 „Das
Letzte Abendmahl“, gefolgt von der 2006 durch Ernst Hilger verlegten „Grablegung“ und der 2008 von Peppe Morra herausgegebenen „Eroberung von Jerusalem“.

Slide-Show

„Alles, was Hermann Nitsch macht, was er denkt, malt, zeichnet, dichtet, baut, komponiert, ist Teil des Orgien Mysterien Theaters und erhält von daher seine Bedeutung.“ (Wieland Schmied, Ein Kosmos unter der Erde, 1993).

Ganz im Sinne dieses von Wieland Schmied formulierten Leitmotivs präsentiert die Ausstellung das druckgrafische OEuvre im Kontext des Gesamtkunstwerkes des Künstlers. Gemeinsam mit
Schüttbildern, Relikten, Aktionsfotos, Filmen und Originaldokumenten entsteht eine Gesamtinstallation, die dem Besucher einen perspektivischen Einblick in den Kosmos von Hermann Nitsch ermöglicht. Ergänzt wird das Gesamtkonzept durch eine Video- und Toninstallation im Seitenraum der Ausstellungshalle (Konzept: Hermann Nitsch, audiovisuelle Gestaltung: Frank Gassner), die sich der Synästhesie im Werk des Künstlers, vor allem der Verknüpfung der menschlichen Sinne und der bewussten Wahrnehmung von Sinnesreizen, widmet.

Im Fokus der Ausstellung HERMANN NITSCH – Das druckgrafische Werk stehen Druckgrafiken des Künstlers, die in den letzten sechs Jahrzehnten in enger Kooperation mit renommierten Verlegern in nationalen und internationalen Druckwerkstätten entstanden
sind. Der Werkblock der Druckgrafik wird im Hinblick auf das Gesamtkunstwerk des Künstlers aufbereitet – die Ausstellung wird so zu einer spannenden Zeitreise und mündet in einer Gesamtinstallation, die neue Blickwinkel auf das umfassende OEuvre von Hermann Nitsch ermöglicht. [Quelle: nitsch museum].

Hermann Nitsch über die Musik

[…] „Meine Musik hat ihre Wurzeln im Schrei, im Lärm, ist verbunden mit extremster Erregung, die zur Notwendigkeit des Theaters gehört.“… [Quelle: Nitsch Foundation]

Beim Abspielen des Videos in HD click 1080p (höchste Auflösung) & Full Screen um das Gesamt-Kunstwerk optimal und multisensual genießen zu können.

Externer Link zum nitsch museum

nitsch museum: HERMANN NITSCH – Das druckgrafische Werk. Ausstellungsdauer: 4. Juni 2017 – 8. April 2018

Hermann Nitsch – Das druckgrafische Werk

„Meine Musik hat ihre Wurzeln im Schrei, im Lärm, ist verbunden mit extremster Erregung, die zur Notwendigkeit des Theaters gehört.“ bitte weiterlesen →  

Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Hermann Nitsch: Unikatgrafik, Aktionsmalerei / Strichradierung auf Papier, © Atelier Nitsch, Manfred Thumberger

Die Sammlung Essl – Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Alex Katz…

Mit über 6000 Werken zählt die Sammlung Essl weltweit zu den größten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst.

Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Arnulf Rainer, Face Farces (Face Coloration), 1969, Foto: Stefan Fiedler – Salon Iris, Wien © Arnulf Rainer courtesy Sammlung Essl, Albertina, Wien: Sammlung Essl
Werkblöcke u. a. von Karel Appel und Arnulf Rainer, Franz West und Georg Baselitz, Maria Lassnig und Alex Katz, Erwin Wurm und Anselm Kiefer, VALIE EXPORT und Cindy Sherman sowie Fotografien von Andreas Gursky bis Candida Höfer prägen den einzigartigen Reichtum und das Profil dieser Sammlung. 2014 drohte die Sammlung in die wirtschaftlichen Turbulenzen der Essl-Unternehmensgruppe zu geraten. Noch im selben Jahr konnte die Sammlung Essl unter Mitwirkung von Dr. Hans Peter Haselsteiner in eine neue Besitzgesellschaft eingebracht und damit in ihrer Existenz gesichert werden. Nun erfolgt mit der Dauerleihgabe (bis 2044) der Sammlung Essl an die ALBERTINA die Übergabe an ein österreichisches Bundesmuseum.

„Mit der ALBERTINA haben wir einen idealen Partner für die Zukunft der Sammlung gewonnen. Die Albertina ist ein Museum von Weltrang. Dank dieser Zusammenarbeit werden die Menschen auch in Zukunft die Werke der Sammlung Essl sehen können“, freut sich Karlheinz Essl.

Die Vorgeschichte der Sammlungsübergabe an die ALBERTINA

Art On Screen - News - [AOS] Magazine
Georg Baselitz, Hockender Hund, 1968, Foto: Photoatelier Laut, Wien © Georg Baselitz, courtesy Galerie Michael Werner Köln und NY, Albertina, Wien: Sammlung Essl
2014 drohte die Sammlung in die wirtschaftlichen Turbulenzen… Da im Juli 2016 das Essl Museum geschlossen werden musste, ist diese kapitale, mehr als 6000 Werke zählende Privatsammlung seit damals aus der Öffentlichkeit verschwunden. Die beiden Eigentümer Prof. Karlheinz Essl und Dr. Hans Peter Haselsteiner haben einen Weg gesucht, der nicht bloß die Zukunft der Sammlung sichert, sondern diese vor allem auch der Öffentlichkeit zugänglich macht. Mit Direktor Prof. Dr. Klaus Albrecht Schröder und der Albertina wurde dieser ideale Partner früh gefunden.   Die Sammlung Essl – Arnulf Rainer, Maria Lassnig, Alex Katz… weiterlesen

Für immer DEIX…

Manfred Deix (1949-2016). Das Karikaturmuseum Krems bietet in der Schau FÜR IMMER DEIX! eine schonungslose Zeitreise in die Untiefen der österreichischen Seele, so wie Deix sie sah.

Für immer Deix, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Klosterneuburg – Porträts Manfred Deix (Atelier)
Seine dargestellten Charaktere haben als „Deixfiguren“ an sprichwörtlicher Bedeutung gewonnen und wurden sogar im Duden begrifflich aufgenommen. Der Zeichner provoziert, schockiert und rüttelt an gesellschaftlichen Tabus wie selten zuvor ein österreichischer Künstler.

[…] „Wenn Michelangelo sagte, die größte Kunst sei „nichts als ein Schatten der göttlichen Perfektion“, dann hat Deix mit seiner Kunst den unerbittlichen Gegenbeweis angetreten.“ [Gottfried Helnwein]

Deix´sche Erkundungen in die Untiefen der österreichischen Seele

Für immer Deix, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Manfred Deix_Beach Baby_2000 © Manfred Deix_2016
Eine neue exquisite Auswahl von rund 80 Zeichnungen, darunter Klassiker aus der Sammlung des Landes Niederösterreich sowie bisher zum Teil noch nie ausgestellte Arbeiten aus dem exklusiven Privatbesitz des Künstlers werden in der Schau vorgestellt. Zwei echte Highlights aus dem Kosmos von Manfred Deix erleben dabei ihre Premiere: Erstmalig präsentiert wird die Installation Das Deix‘sche Aquarium. Es ist allgemein bekannt, dass Manfred Deix Katzen über alles liebt, auch gilt er als Beschützer von Problembär Bruno und als Retter geschundener Hunderln. Ein wahrer Tierfreund eben. Aber Deix ist auch Entdecker bisher unbekannter Fischarten mit recht klingenden Namen.

Für immer Deix, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Manfred Deix_Deix’sche Fischkunde_2008 © Manfred Deix_2016
In der Ausstellung können die BesucherInnen mit den eigenwilligen Geschöpfen auf Tuchfühlung gehen und tief in die Deix’sche Fischkunde eintauchen. So trifft man hier auf den steierischen Stäbchenstöhr, den finnischen Ferkelflosser, den katalanischen Katzenkarpfen oder den bengalischen Busenbarsch. Das Neueste aus der Feder von Manfred Deix sind die sogenannten „Blitzblätter“. Die „Deix Blitzblätter“ sind ein flüchtiges Spiel mit dem Kohlestift, ohne Vorbereitung oder Vorskizzen. Die lustvollen Zeichnungen, die blitzschnell in wenigen Sekunden entstehen, zeigen Porträts aus dem reichhaltigen Repertoire an „Deix Figuren“ voller Leichtigkeit und Humor.

Für immer Deix – Karikaturmuseum Krems

Für immer Deix, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Manfred Deix_Sollen Priester heiraten dürfen_1995 © Manfred Deix_2016
Die verschiedenen Kapitel der Ausstellung sind durch bislang noch nicht gezeigtes Material aus rund 40 Jahren aufgefrischt worden. Der Großteil davon ist auch nach Jahrzehnten noch von brisanter Aktualität. So fordert der Künstler zum Beispiel im Abschnitt Der ungemütliche Deix in seinem Cartoon aus den 1980er Jahren Mehr Frauen in Männerberufe! In Ja zur Atomenergie! (1990) zeichnet Manfred Deix ein gruseliges Bild von verwachsenen, mutierten Gesichtern von seelenlosen Geschäftsmännern, die kaltblütig den Folgen krankmachender Atomstrahlung trotzen. Er trifft in diesem Cartoon die provozierende Feststellung, dass Profitdenken über der menschlichen Gesundheit steht. Im Kapitel Der gläubige Deix findet sich die Arbeit Sollen Priester heiraten dürfen? aus dem Jahr 1995, was seiner Meinung nach bei dem zu erwartenden Kindersegen bei den ärgerlichen Nachwuchsproblemen im Kirchenamt sehr hilfreich sein könnte.

[…] Man hat mir oft Geschmacklosigkeit und Brutalhumor vorgeworfen. Wer denn, wenn nicht Satiriker, soll die Dinge beim Namen nennen? (Manfred Deix)

Für immer Deix, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Manfred Deix_Nitsch ist ein beliebter Maler_1997 © Manfred Deix_2016
Manfred Deix, der in St. Pölten und Böheimkirchen aufgewachsen ist, fertigte schon als Kind Karikaturen von den Gästen im elterlichen Gasthaus an und studierte bereits in frühen Jahren das Milieu der Bauern und Arbeiter, die zu den Gästen des Wirtshauses zählten. Schon als Zwölfjähriger hatte ich das Privileg, als Schankbursche im elterlichen Gasthaus die Menschen wirklich hautnah erleben zu können. Es waren überwiegend die sogenannten ‚kleinen Leute‘, die bei uns zu Gast waren. Da standen sie also meist im Arbeitsgewand an der Budel und tranken ihre Gspritzten, Seidel oder Viertel, unterhielten sich über alles Mögliche von der Politik über die Arbeit bis zu den Frauen, erzählten sich herbe Männerwitze, lachten oder stritten sich über Belangloses und ahnten natürlich nicht, dass sie vom hellwachen Buben hinter der Theke gnadenlos ausgehorcht und beobachtet wurden. Die anderen saßen an den Tischen, ließen sich Schnapskarten, Gulasch und Bier servieren, um gegen Mitternacht die Lokalität zu verlassen, ohne auch nur einen Groschen Trinkgeld lockerzumachen.

Für immer Deix, Art On Screen - NEWS - [AOS] Magazine
Manfred Deix_Bruno Kreisky hat immer recht_1970erJahre © Manfred Deix_2016
Deix’ Erkundung der Untiefen der österreichischen Seele beginnt Anfang der 1970er. In seinen Gedichten und mit dem Zeichenstift übt Deix unermüdlich Kritik an gesellschaftlichen Zwängen, Fremdenhass und Scheinheiligkeit. Er geht konsequent und unbeirrt seinen Weg: Politiker werden schonungslos unter die Lupe genommen, die Bussi-Bussi-Gesellschaft der Prominenten mit ihren Eitelkeiten wird bloßgestellt und auch die Kirche samt „Bodenpersonal“ (sic) erntet Spott. Deix provoziert, schockiert und rührt an gesellschaftliche Tabus wie selten zuvor ein österreichischer Künstler. Losgelöst von ihrer politischen Aktualität sind die Arbeiten von Deix längst Kunstwerke geworden, Klassiker der österreichischen Karikatur und mittlerweile stilbildend. Diese erlauben einen besonderen Blick auf Denkprozesse und Lieblingsthemen des Künstlers, der konsequent und unbeirrt seinen Weg geht. Sowohl Fans der ersten Stunde als auch Neueinsteiger in das Deix- Universum kommen voll auf ihre Kosten.

Seit 1988 ist Manfred Deix Träger des Nestroy Ringes der Stadt Wien, 2005 wurde ihm das goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien überreicht. Das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich wurde Deix 2009 verliehen. 2012 erhielt er den Österreichischen Kabarettpreis (Kategorie Sonderpreis). Manfred Deix‘ Zeichnungen wurden in Magazinen wie u.a. profil, Trend, Economy, News, Stern, Der Spiegel, Pardon, Titanic und im Playboy veröffentlicht. Nach „Cartoons“, dem ersten Deix-Sammelband aus dem Jahre 1980 folgten viele weitere Publikationen, darunter „Der dicke Deix“, „Der goldene Deix“ „Dichter Deix“, „Der heilige Deix“ und „Für immer Deix!“ (2012), zuletzt erschienen 2015 Neue Zeichnungen sowie sein achtzehntes Buch Tierwelt. Katzen & Co. [Quelle: Karikaturmuseum Krems]