Yuja Wang – Musik ist schön und sinnlich

A Star is born

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Yuja Wang © Norbert Kniat

Yuja Wang – Piano. Die Musik ist so schön und sinnlich, warum soll ich mich nicht auch entsprechend kleiden?«, postuliert die junge Wilde selbstbewusst. Dass sie dafür speziell im prüden Amerika zuweilen kritisiert wird und auf Facebook sexistische Reaktionen erntet, nimmt sie scheinbar gelassen in Kauf. »Ich ziehe mich halt so an. Ich trage auch kurze Röcke, wenn ich nicht auf der Bühne bin. So bin ich eben. Klassische Musik spricht für sich selbst – aber irgendwie achtet das Publikum sehr auf die Oberfläche. Die Kommentare sagen mehr über die Kommentatoren aus als über mich oder über Musik.« (Yuja Wang)

Yuja Wang – Piano

Yuja Wang gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen ihrer Generation und versteht es, Hörer jeden Alters zu fesseln. »Sie verfügt über ein unforciertes, brillantes Klavierspiel, das Prokofjew (der ein großer Pianist war) ebenso neidisch gemacht hätte wie den legendären Horowitz«, kommentierte die Los Angeles Times nach einem sensationellen Auftritt in der Hollywood Bowl.

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Yuja Wang – Piano © Norbert Kniat

Kritiker heben Yuja Wangs Virtuosität und technische Meisterschaft sowie ihre charismatische Bühnenpräsenz hervor. Doch für die Pianistin steht ihre Kunst im Dienst von emotionalem Ausdruck und musikalischer Interpretation, Technik darf nie Selbstzweck sein. Ihr künstlerisches Credo ist schlicht und komplex zugleich: »Ich möchte das ganze Leben in Beziehung zur Musik setzen«, sagte sie kürzlich dem Observer (London). An anderer Stelle sprach sie über die unvergleichliche Kraft der Musik, ihr eigenes Gefühlsleben zu erschließen. »Es geht nicht mehr um das Üben, sondern vielmehr darum, den Gedankengang des Komponisten verstehen zu lernen«, äußerte sie British Vogue gegenüber im August 2018. »Was ist die Intention der Komponisten, was versuchen sie auszudrücken … Sie haben viele Stunden damit verbracht, diese Stücke zu schreiben, daher ist es nur richtig, dass wir Jahre damit verbringen, ihre Bedeutung zu entschlüsseln.«

Biografie

Yuja Wang wurde am 10. Februar 1987 als Tochter einer musikalischen Familie in Peking geboren. Als Kind beobachtete sie ihre Mutter, eine Tänzerin, bei den Proben zu Schwanensee. Dieses Erlebnis blieb ihr noch lange nach der ersten Begegnung mit Tschaikowsky in Erinnerung. Sie begann Melodien auf dem Klavier zusammenzusuchen, das ihre Eltern zur Hochzeit bekommen hatten, und erhielt mit sechs Jahren ersten Klavierunterricht. Sie machte schnell Fortschritte und wurde am Pekinger Konservatorium aufgenommen. Wichtige Impulse für ihre musikalische und persönliche Entwicklung bekam sie 1999, als sie nach Kanada ging, um am Morningside-Music-Sommerkurs des Mount Royal College in Calgary teilzunehmen; danach wurde sie die jüngste Schülerin aller Zeiten am Mount Royal Conservatory. 2002 gewann sie den Konzertwettbewerb des Aspen Music Festival und wurde Schülerin des berühmten Konzertpianisten und Pädagogen Gary Graffman am Curtis Institute of Music in Philadelphia.

A star is born

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Yuja Wang © Norbert Kniat

Ihre professionelle Karriere hatte längst begonnen, als Wang 2008 ihr Examen am Curtis Institute ablegte. Nach ihrem sensationellen Debüt mit dem National Arts Centre Orchestra 2005 war das Medieninteresse groß – »Ein Star ist geboren«, titelten die Zeitungen. Ihr internationaler Durchbruch kam im März 2007, kurzfristig sprang sie für Martha Argerich ein als Solistin in Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1 mit dem Boston Symphony Orchestra. Ein kometenhafter Aufstieg folgte: Sie arbeitete mit vielen großen internationalen Orchestern in den berühmtesten Konzertsälen der Welt und konzertierte mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Gustavo Dudamel, Valery Gergiev, Lorin Maazel, Sir Neville Marriner, Zubin Mehta, Yannick Nézet-Séguin, Sir Antonio Pappano, Esa-Pekka Salonen, Yuri Temirkanov, Michael Tilson Thomas und Pinchas Zukerman. Sie erhielt eine der renommiertesten Auszeichnungen der internationalen Klassikszene, als Musical America sie zur »Künstlerin des Jahres 2017« wählte.

Deutsche Grammophon

»Durch das Spielen lerne ich mein Repertoire besser kennen«, erklärt Yuja Wang. »Ich muss auftreten, um mich lebendig zu fühlen. Es ist jedes Mal anders, es ist ganz organisch.« Die Spontaneität und Eindringlichkeit ihres Spiels spiegeln sich in Yuja Wangs Diskografie bei Deutsche Grammophon. 2009 unterzeichnete sie einen Exklusivvertrag mit dem gelben Label, seither hat sie eine Reihe maßstabsetzender Alben eingespielt. Nach der Veröffentlichung ihrer ersten Solo-Aufnahme Sonatas & Etudes (April 2009) kürte die Zeitschrift Gramophone sie zur »Nachwuchskünstlerin des Jahres«. Für ihr 2010 erschienenes Album Transformation, ein wohlüberlegtes Solo-Programm mit Werken von Brahms, Ravel, Scarlatti und Strawinsky, erhielt sie den Echo-Preis als »Nachwuchskünstlerin des Jahres«. Ihre 2011 veröffentlichte Aufnahme von Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 2 und seiner »Paganini-Rhapsodie« mit Claudio Abbado und dem Gustav Mahler Chamber Orchestra wurde als »Bestes klassisches Instrumentalsolo« für einen Grammy nominiert. Fantasia , veröffentlicht 2012, bietet eine Sammlung von Zugabe-Stücken von Albéniz, Bach, Chopin, Rachmaninow, Saint-Saëns, Skrjabin und anderen. 

Live Aufnahmen

Es folgten Live-Aufnahmen von Prokofjews Klavierkonzert Nr. 2 und Rachmaninows Konzert Nr. 3 mit Gustavo Dudamel und dem Simón Bolívar Symphony Orchestra. Yuja Wang: Ravel, mit dem Tonhalle-Orchester Zürich und Lionel Bringuier, koppelt die beiden Klavierkonzerte von Ravel mit FaurésBallade. Nach Erscheinen des Albums im Oktober 2015 pries BBC Music Magazine die »überragende Technik und Musikalität« ihres Spiels. Das Berlin Recital, ihre jüngste Live-Aufnahme für das gelbe Label, bietet Interpretationen, die sie im Laufe einer ausgedehnten Europa- und Nordamerika-Tournee perfektioniert hat. Das Album, das im November 2018 erscheint, widmet sich den komplexen Ausdruckswelten von Solowerken von Rachmaninow, Prokofjew, Skrjabin und Ligeti. Vier Zugaben aus ihrem Berliner Programm, darunter der »Tanz der vier Schwäne« aus Schwanensee, wurden im September 2018 als Bonus-EP von Deutsche Grammophon veröffentlicht.

Yuja Wang – Debüt in der Carnigie Hall

Martin Grubinger meets Yuja Wang
Martin Grubinger – Percussion ┬® Simon Pauly

2011 gab Yuja Wang ihr Solorecital-Debüt in der Carnegie Hall. Seither tritt sie dort regelmäßig auf und begeistert das Publikum im ausverkauften Haus bei jedem Auftritt zu Standing Ovations. Ihr galt eine »Künstlerporträt«-Reihe mit dem London Symphony Orchestra 2013/14, sie gab ihr erstes Konzert mit den Berliner Philharmonikern im Mai 2015 und erweiterte in der darauffolgenden Spielzeit ihr Repertoire mit Beethovens »Hammerklaviersonate« auf Tournee durch die USA und Europa. Zu den Höhepunkten in den letzten Jahren gehörten ein Projekt mit Martin Grubinger und dem Percussive Planet Ensemble; große internationale Tourneen mit dem London Symphony Orchestra, San Francisco Symphony Orchestra und dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia; eine Europatournee, auf der sie das Mahler Chamber Orchestra vom Klavier aus dirigierte; und Aufführungen von Brahms’ Klavierkonzert Nr. 1 mit den New Yorker Philharmonikern in New York, Peking, Tokio und Taipeh. Sie spielte das Klavierkonzert Nr. 3 von Prokofjew mit den Berliner Philharmonikern und deren designiertem Chefdirigenten Kirill Petrenko im April 2018 in Berlin und vier Monate später bei den Festspielen in Salzburg und Luzern und den BBC Proms. Der Observer (London) pries ihr »ungestümes, perkussives, seidiges, sehniges« Spiel, auf das »die Berliner Philharmoniker auf unvergleichliche Weise eingingen«.

Wiener Philharmoniker

Zu Yuja Wangs Saison 2018/19 gehören eine ausgedehnte China- und Japantournee, auf der sie Brahms’ Klavierkonzert Nr. 2 mit den Münchner Philharmonikern und Valery Gergiev spielt; Ravels Klavierkonzert für die linke Hand mit den Wiener Philharmonikern und Franz Welser-Möst in Versailles; und ein Auftritt mit Gustavo Dudamel beim alljährlichen Sommernachtstraum der Wiener Philharmoniker im Schloss Schönbrunn. Sie wird Artist-in-Residence an drei führenden internationalen Konzertsälen: im Rahmen der »Perspectives«-Reihe an der Carnegie Hall, in einer »Porträt«-Reihe am Wiener Konzerthaus und in einer Residency an der Luxemburger Philharmonie. Hinzu kommen eine Europatournee mit dem City of Birmingham Symphony Orchestra und Mirga Gražinytė-Tyla sowie Konzerte in Istanbul, Athen, Toronto, Buenos Aires und São Paulo. Im März 2019 bringt sie mit dem Los Angeles Philharmonic Orchestra und Gustavo Dudamel John Adams’ neues Klavierkonzert, Must the Devil have all the Best Tunes, in Los Angeles zur Uraufführung, bevor sie das Werk in Seoul und Tokio spielt. [Deutsche Grammophon in Berlin]

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